Auferstanden aus Ruinen - Der Beginn nach 1945

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Nach der Kapitulation der Nationalsozialisten zogen die Amerikaner die Fäden in Eisenach. Entgegen den Vereinbarungen der Alliierten in Malta waren sie bis nach Mitteldeutschland vorgedrungen, um sich vor den Sowjets die Beute aus dem wirtschaftlich wichtigen Teil Deutschlands zu erhalten. Ziel war es damals auch Konstruktionspläne, Entwicklungsunterlagen, Produktionsmittel und Ingenieure etc. für sich zu sichern.

Bereits im Frühsommer 1945 mußten die GI´s das Feld wieder räumen - die Rote Armee zog in Eisenach ein. Die BMW-Führungsriege und alle wichtigen technischen Unterlagen hatten die Amerikaner im “Gepäck“. Dem engagierten und beherzten Vorgehen der Eisenacher, vor allem der ehemaligen Belegschaft ist es zu verdanken, daß das Werk nicht demontiert wurde. Das hatten die sowjetischen Besatzer nämlich vor. Aus der Not wurde eine Tugend gemacht und weiter produziert - Kochgeschirre und Wassereimer! Die ersten “Fahrzeuge“, nach dem Krieg, waren Handwagen und Sackkarren. Bereits damals fanden schon wieder 500 Beschäftigte Arbeit im Werk in Eisenach. Horst Ihling berichtet von einem Zeitungsartikel, in dem der Begriff Handwagen etwas verschämt mit “motorlosen Kleinfahrzeugen“ umschrieben wurde. Mit der sowjetischen Kommandantur in Berlin wurde hart um den Erhalt des Werkes und die Genehmigung zum Automobilbau gerungen. BMW war ein bekanntes Rüstungsunternehmen und stand folglich auf der Demontageliste. Die SMAD (sowj. Militäradministration in Deutschland ) verlangte den Bau von fünf Musterfahrzeugen in nur einer Woche. Bei den Materialengpässen jener Zeit eine unglaubliche Forderung . Mit viel Energie, Handarbeit und organisatorischem Geschick gelang es 5 BMW 321 innerhalb von nur 6 Tagen in Berlin zu präsentieren. Die Verwunderung bei Marschall Schukow war entsprechend groß - sein Befehl, die Fahrzeugproduktion wieder aufzunehmen, nur konsequent. Bewunderung erregte nicht nur die Erfüllung der Forderung, sondern vor allem die hervorragende Qualität der Wagen. Im November 1945 konnte man darangehen, Befehl Nr. 93 der SMAD in die Praxis umzusetzen. Im ersten Produktionsmonat werden 14 Pkw und 16 Motorräder produziert. Die ersten Fahrzeuge BMW 321, BMW 327 und das Motorrad BMW R35 gehen als Reparationsleistungen an die Sowjetunion. Die meisten Mitarbeiter waren aber nicht mit dem Automobilbau, sondern mit der Beseitigung der Trümmer im Werk beschäftigt. Das Flugzeugmotorenwerk, in einem Wald nahe Eisenach, hatte die Bombenangriffe gut überstanden und wurde nun demontiert. Allerdings ging es nicht in die Sowjetunion, sondern wurde zu einer neuen Produktionshalle im Werk. Die größten Probleme hatten die Autobauer mit den ehemaligen Zulieferern. Soweit sie noch existierten und ihre Produktion wieder aufgenommen hatten, lagen sie doch meistens im nunmehrigen Westteil Deutschlands. Der beginnende kalte Krieg zwischen den ehemaligen Alliierten Mächten ließ die spätere innerdeutsche Grenze schon 1945 zur Realität und zu einem großen Hindernis werden. 1946 wurde BMW in Eisenach Bestandteil der SAG Awtowelo, einer sowjetischen Aktiengesellschaft. Die Rückführung der Maschinen aus ihren Kriegsverstecken und damit die Erhöhung der Produktion waren nur ein Ergebnis dieser Übernahme. Das Selbstbewußtsein der Eisenacher wuchs endlich wieder soweit an, daß eine eigenständige Neukonstruktion in Angriff genommen werden konnte. Der BMW 340 wurde 1948 einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Die Grundkonstruktion basierte auf den soliden Vorkriegsprodukten des Hauses. Das Design allerdings war dem Geschmack der Zeit deutlich angepaßt. Es war ein neuer, repräsentativer Wagen entstanden. Die damaligen Machthaber in den sowjetisch orientierten Ländern nutzten ihn entsprechend gern als Staatslimousine. 1949 startete die Serienproduktion und Exporte nach den Niederlanden, Belgien und auch der Bundesrepublik setzen ein.

EMW 328

EMW 340 (Im Hintergrund der Abriss des AWE)