Weiterentwicklung und Prototypen

Barkas B1100 Doppelkabine

1972 - 1987
Der nächste größere Schritt in der Entwicklung des B1000 wurde 1972 gemacht. Seit diesem Jahr besaß der Barkas den Motor des Wartburg 353 mit nunmehr 45 PS. Weitere technische Neuerung war unter anderem die jetzt 500 W starke Lichtmaschine. Über ein 12V-Bordnetz verfügte der B1000 übrigens von Anfang an. Außerdem kam ein LAD (lastabhängiger Bremskraftbegrenzer) zum Einsatz.

Der LAD begrenzte den Druck in der Bremsleitung auf die Hinterräder auf 18 kp/cm³ bei geringer Beladung. Die Barkas-Werker standen seit 1961 vor dem gleichen Problem, wie die Eisenacher Ingenieure seit 1953. Der Motor, den die Eisenacher seit 1961 nach Sachsen lieferten, war ein recht leistungsschwacher und emissionsstarker Zweitakter. Und wie ihre Thüringer Kollegen auch, suchten sie sich Unterstützung im sozialistischen Wirtschaftsgebiet. Sie wurden beim sowjetischen Moskwitsch 412 fündig. Sein 1100 cm3-Viertakter sollte dem Barkas B1100 Beine machen. Mit dem 75 PS starken Motor hätte die Nutzlast des Barkas B 1100 auf 1300 kg ausgeweitet werden können. Und auch hier wieder ein Gleichnis mit ihren Eisenacher Kollegen: Es bleib bei einem Prototypen. Die Serienfertigung musste weiter den Barkas B 1000 herstellen und natürlich weiterhin mit dem ungeliebten Zweitakter. Ab 1975 gehörte ein Sicherheitsgurt für den Fahrer zur Serienausstattung. Ein weiteres Projekt wurde ebenfalls auf Eis gelegt. Der Barkas B 1000 Camping.

Barkas Camping

1976 stellte die PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks)   Weißenfels im heutigen Sachsen-Anhalt einen Barkas als Wohnmobil vor. Der Aufbau entstand aus Polyester auf dem B 1000 Pritschenwagen   und war ein sogenanntes Alkoven-Modell. Das bedeutet, dass sich zwei Schlafplätze für Kinder über dem Fahrerhaus befanden. Ausgelegt war der Barkas B1000 Camping für maximal vier Personen. Seine Einrichtung soll der des Wohnwagen Bastei entsprochen haben. Das Fahrverhalten wurde als gutmütig beschrieben, sein Verbrauch als moderat. Mit 14 l/100 km kam der Camping aus. Geblieben ist leider nur ein undeutliches Foto, dass aber ein ansehnliches Fahrzeug zeigt. Der Moralauffassung der DDR-Führungsriege sollen solche Fahrzeuge aber ein großer Dorn im Auge gewesen sein. Zum einen wurden Freizeitmobile in der DDR als unnötig angesehen und zum anderen fiel es den Fahrzeugherstellern bekanntermaßen ohnehin schon schwer genug, den Bedarf an Pkw und Nfz zu decken. Ein Barkas kam außerdem fast nie in private Hände. Ab 1978 werden Einhand-Sicherheitsgurte serienmäßig für Fahrer und Beifahrer montiert. Die erste Sitzreihe des Bus und des Kombis erhalten Zweipunkt-Beckengurte. Für ein besseres Klima im Innenraum sorgt ab jetzt ein serienmäßig montiertes Klappdach. Das bisherige Lenkfinger-Lenkgetriebe wird durch ein neuartiges Kugelumlauflenkgetriebe ersetzt. Am 22. Februar 1980 rollt der 100.000ste B 1000 vom Band. Die nächste Weiterentwicklung des Barkas B 1000 stellte 1985 die Einführung der seitlichen Schiebetür in den Varianten Bus, Kombi und Kasten dar. Mit dieser Tür konnte der B 1000 bequem be- und entladen werden, ohne dass gleich der gesamte Verkehr um den Barkas-Parkplatz herum zum Erliegen kommen musste. Äußerlich veränderte sich der B 1000 auch. Seine bisherigen, zierlichen Stoßfänger wichen robusten Stoßstangen. Schon am 8. April 1987 wird der 150.000ste B 1000 produziert.