MZ in der DDR

IFA MZ-Logo

1945 - 1992
Nach dem Krieg wird die Firma aufgelöst. Alle Maschinen und Gerätschaften werden demontiert und als Kriegsreparationen in die Sowjetunion gebracht. Das Management der AUTO UNION zieht in den Westen Deutschlands, nach Ingolstadt. Gleich 1949 versuchten DKW-Werker wieder die Produktion in Gang zu setzen. Doch erst im März 1950 lief die Fertigung des Vorkriegsmodells DKW RT 125 ganz langsam wieder an. Das Werk heißt jetzt IFA-DKW Werk Zschopau.

MZ ES 150

MZ ES 150

Im ersten Monat der Produktion laufen, wegen großer Probleme, nur 15 Maschinen vom Band. Wie überall, herrschte auch hier Mangel an allem. Vor allem Rohstoffe waren knapp. Die ersten Motorräder kamen ohne Kette zum Kunden, weil diese einfach nicht aufzutreiben waren. Trotzdem wird die RT 125 ein Erfolg und langsam werden die Zschopauer wieder etwas optimistischer. Die RT 125 entwickelt sich zum am meisten nachgebauten Motorrad der Welt. Sogar so namhafte Hersteller, wie Yamaha, Harley Davidson und BSA nehmen sie in ihr Programm auf. Bis zum Jahresende 1950 konnten dann doch noch 1700 Motorräder das Werk verlassen. Schnell wandte man sich neuen Konstruktionen zu. So entstand eine RT mit 250ccm-Motor. Dieses Fahrzeug sollte den Gespannbetrieb ermöglichen. Die Suhler Konkurrenz von Simson war aber schneller und schickte ihr 250ccm Viertakt-Motorrad zu den Händlern. In Sachsen schaltete man schnell und machte aus der 250er eine 350er. Es entstand die BK 350.

MZ TS 150

MZ TS 150

Die Nachfrage war einfach überwältigend. 3650 Mark mußte ein Kunde für seine 15PS-BK auf die Theke des HO-Ladens legen. 1952 wurde das Werk umbenannt. Der neue Name lautet "VEB Motorradwerk Zschopau". Statt IFA-DKW stand nur noch IFA auf dem Tank. MZ liefert auch in das westliche Ausland. Skandinavien, Schweiz und Belgien sind wichtige Exportziele. In der Schweiz wird die RT 125 sogar zu einem Roller umgebaut. Am 30.März 1953 wurde eines der markantesten Details aller MZ-Modelle, die vollständig gekapselte Kette patentiert. Profilierte Gummimanschetten und Kunststoffgehäuse am Hinterrad bildeten einen einfachen und sinnvollen Schutz vor Dreck. Im Jahr 1954 konnte die Produktion auf 14.000 Stück RT 125/1 (die zweite Generation der RT 125) und 3.000 BK 350 gesteigert werden. 1955 verlassen bereits 30.000 Motorräder das Werk. Zur selben Zeit wird an neuen Maschinen mit 175 ccm und mit 250 ccm gearbeitet. Das 175er Projekt wurde vorerst nicht weiter verfolgt, dafür erschien 1956 die ES 250 auf dem Markt. Die erste MZ mit einem serienmäßigen Bremslicht! Die ersten ES kamen mit einem Doppelauspuff und 12,5PS daher. Bereits 1957 wurde allerdings der eine Auspuff wegrationalisiert und gleich ein ganz neuer Zylinder entwickelt. Das Motorrad erhielt einen einfacher zu fertigen Hauptrahmen , eine bessere Federung und endlich etwas mehr Leistung (14,25 PS). Zusätzlich war die ES nun auch als Gespann lieferbar. Jetzt kam auch die 175er Maschine in den IFA-Vertrieb. Die ES 175 verfügte über 10.25 PS. Der Erfolg der ES ermutigte die sächsischen Motorradbauer zu Versuchen mit einem eigenen Roller. Leider waren die Probleme mit dem ständig brechenden Rahmen nicht lösbar und die Versuche wurden abgebrochen. Ab 1961 war MZ der einzige Motorradhersteller der DDR, denn Simson in Suhl mußte sich ab da voll auf die Produktion von Leichtkrafträdern und Rollern konzentrieren. Während in der BRD die Nachfrage nach Zweirädern fast vollständig zusammenbricht, sind die MZ-Maschinen in der DDR ein Renner. Das liegt hauptsächlich an den langen Wartezeiten und den hohen Preisen für Pkw. Ein ES 250 Gespann ist fast sofort lieferbar, kostet die Hälfte von einem Trabant und bietet doch 3 Personen Platz. Im selben Jahr noch wird die Produktion der BK 350 eingestellt. Die Nachfolge der BK tritt die ES 300 an. Diese Version der ES entsprach fast völlig den anderen Modellen. Ihre Leistung wurde mit 18,5 PS angegeben.. Immer wieder wurden Verbesserungen in Qualität und Lebensdauer der einzelnen Komponenten in die Serienfertigung eingebracht. Eine weitere Neuheit war der Super-Elastic-Beiwagen, der ab jetzt die 250er und 300er Modelle zum Gespann machte. Er hatte einen abschließbaren Kofferraum, hydraulische Bremsen und viel mehr Platz. Mit der ES 125 und der ES 150 kam nun auch endlich ein Nachfolger für die immer noch gefragte RT 125 auf den Markt. Die neuen Modelle verfügten alle über den preiswerten Blech-Kastenrahmen. Neu waren auch die Räder. 18 Zoll-Leichtmetallräder ließen die ES auf großem Fuße fahren. Die ES 150 war das erste Motorrad der Welt mit Lichthupe und mit asymmetrischem Abblendlicht. Die Lichtmaschine war mit 60/90 Watt enorm leistungsfähig konzipiert. Die 125/150er hatten aber noch mehr zu bieten. So hatten sie serienmäßige Blinker, einstellbare Federbeine hinten und einen Ständer, der sich nicht sofort verbog, denn er war aus Alu-Druckguß. In nur 8 Sekunden von 0 auf 70 km/h - damit konnte die nur 100kg leichte Maschine gut mithalten. Ab 1965 gab MZ ein Jahr Garantie. Das konnte sich kein westlicher Hersteller zu dieser Zeit erlauben!

MZ TS 250

MZ TS 250

Erst ca. 10 Jahre später durften Bundesdeutsche Motorradfans eine so lange Gewährleistungszeit in Anspruch nehmen. Andy Schwietzer schreibt in seinem Buch "Motorradland DDR" sogar, daß die DDR mit der ES 125/150 weltweite Maßstäbe für den Motorradbau setzte! Kaum noch bekannt ist dagegen, daß die DDR sehr stark an den Rechten zum Wankelmotor interessiert war. Der sollte die Zweitakter aus Trabant und Wartburg ablösen. Erprobt wurde der Wankelmotor in Zschopau, denn hier sollte er später auch produziert werden. Aus den Schubladen der MZ-Konstrukteure kam zu diesem Zweck die BK 351 zum Vorschein. Diese Weiterentwicklung der BK 350 bekam einen Wankelmotor mit dem es auch erprobt wurde. Das Zweiradmuseum auf Schloß Augustusburg stellt dieses einzigartige Motorrad aus. Der hohe Kraftstoffverbrauch, das große Gewicht und auch der hohe Konstruktionsaufwand ließ das Wankelprojekt aber letztlich scheitern. Zu Beginn der 70er Jahre änderte sich die Situation auf dem internationalen Motorradmarkt drastisch. Die japanischen Hersteller wurden zu einer ernsten Konkurrenz. In der Bundesrepublik wurden MZ-Motorräder über den Versandhandel von Neckermann vertrieben. Ein neuer Auftritt mit moderner Optik und aktueller Technik mußte her. Die ETS 250 war das richtige Angebot.

MZ ETZ 250

MZ ETZ 250

MZ-Motorräder bekamen wieder eine Teleskopgabel. Zur Ablösung von ES und ETS kam kurz darauf die Baureihe TS auf den Markt. Sie sollte den sportlich ambitionierten Fahrer und den Handwerker gleichermaßen zufrieden stellen. Die 1972 vorgestellte TS 250 erhielt dann auch direkt die Goldmedaille der Leipziger Herbstmesse. Ab dem 01.04.1973 konnte die TS gekauft werden. Die Erwartungen der Kundschaft konnte sie jedoch nicht erfüllen. Die ETS sollte lange Zeit als die ästhetischste MZ betrachtet werden und die ES wurde wegen des Vollschwingen-Komforts auf den holprigen DDR-Straßen betrauert. Trotzdem wurde auch die TS ein Verkaufsschlager. Ab 1980 beschäftigten sich die Sachsen mit dem nächsten Modell, der ETZ 250. Die ETZ war fast ein Zehntel stärker als die TS 250, verbrauchte aber trotzdem deutlich weniger Benzin. Nun bekamen die MZ-Motorräder endlich auch die längst überfällige 12V-Bord-Elektrik spendiert. Außerdem wurden die schwachen Trommelbremsen des Vorderrades gegen Scheibenbremsen ersetzt. Hatte die TS hinten 16 Zoll-Räder und vorn 18 Zoll, so hatte die ETZ vorn und hinten 18 Zoll-Räder. Der gewöhnungsbedürftige Tank erhält seine Form, weil geplant war, die Sitzbank auf dem Tank erst auslaufen zu lassen. Es gab aber Probleme bei der Verbindung des Kunstleders mit dem Blech des Tanks. Die Bezeichnung der Baureihe bedeutete "Einheitstyp Zschopau". Die ETZ war deutlich gewachsen und hatte merklich am Gewicht zugelegt. Das wirkte sich sehr nachteilig auf das Handling der Maschine aus. Die konstruktiven Neuerungen an der ETZ 250 ließen die weiterhin produzierte TS 125 und TS 150 plötzlich sehr alt aussehen. Erst 1984 wurde eine kleine ETZ vorgestellt. Mit der Handlichkeit eines Leichtkraftrades, sportlicher Optik und 12,2 PS rollte die ETZ 150 in die Filialen des IFA-Vertriebs.

MZ ETZ 150

MZ ETZ 150

Der Rahmen war 6 cm kürzer, als bei der großen Schwester ETZ 250 und die 150er kam wieder auf 16 Zoll-Rädern daher. Das konnte sie auch, denn der Federungskomfort war gegenüber der TS deutlich verbessert worden. Der relativ schwach dimensionierte Motor konnte aber doch recht gute Beschleunigungswerte erzielen. Ab 1987 kam die kleine MZ serienmäßig mit elektronischer Zündung. 1988 wurde die ETZ 250 durch die ETZ 251 abgelöst. Die 251 hatte ein 18 Zoll Vorderrad und ein 16 Zoll Hinterrad. Die ETZ 251 erfüllte endlich wieder den Wunsch nach einer schnellen, "großen" MZ, die trotzdem leicht, handlich und bequem war. Bis zur Wiedervereinigung 1989 werden in Zschopau von 3200 Mitarbeitern ca. 80.000 Motorräder im Jahr gebaut und die Maschinen in über 100 Länder exportiert. Als 1989 die Berliner Mauer fällt und sich die politischen Verhältnisse in der DDR ändern, liegen in Zschopau fast fertige Konstruktionen für eine ETZ mit Viertaktmotor bereit. Die Staatssicherheit hatte sie für ihre Eskorte-Maschinen gefordert und Rotax aus Österreich hatte ein passendes Aggregat. Die MZ 500R wurde entwickelt und vorgestellt. Im Jahr 1990 fällt Europas größter Motorradhersteller an die Treuhand. Er wird zu einer GmbH umgewandelt. 1991 fallen Absatzzahlen dramatisch. Keiner will mehr Geld für ein MZ-Motorrad ausgeben. Die Absatzmärkte brechen zusammen.

MZ ETZ 251

MZ ETZ 251