Westerwald-Rallye (Signale 61-82)

Die Oma in voller Fahrt (Foto: Allicze, Spin.de)

IFA-Erfolge auf der Historischen Raiffeisen-Veteranenfahrt

Am 04. und 05. Oktober 2014 fand die historische Raiffeisen-Veteranenfahrt des Motorsportclub Altenkirchen e.V. im ADAC statt.

Bereits zum 36. Mal lud der MSC nach Flammersfeld ein um dort, traditionell am ersten Oktoberwochenende eine Oldtimerrallye der ersten Güte abzuhalten.

Fast 55 Ortschaften mussten während der Orientierungsfahrt durchquert werden.

Teilnahmeberechtigt sind historische Kraftfahrzeuge bis Baujahr 1975, sofern sie über eine dauerhafte Straßenverkehrszulassung verfügen.

Gestartet wird in 8 verschiedenen Klassen.

Die Klassen 1-4 sind den Pkw vorbehalten. Klasse 1 bis 1939 (Erstzulassung), Klasse 2 bis 1960, Klasse 3 bis 1968 und Klasse 4 bis 1975.

Die Klassen 5-7 teilen die Krafträder entsprechend ihren Erstzulassungen ein: Klasse 5 bis 1949, Klasse 6 bis 1959 und Klasse 7 bis 1975.

In Klasse 8 finden sich alle Fahrzeuge wieder, die in keine der anderen Klassen passen. So zum Beispiel Kleinbusse und Lkw.

Fast 200 historische Kraftfahrzeuge lockt diese Veranstaltung alljährlich in den schönen Westerwald. In diesem Jahr war die Beteiligung mit weniger als 150 Teilnehmern allerdings überraschend niedrig.

Das lag ganz sicher nicht am Wetter. Die Sonne schien den ganzen Tag und das Thermometer kletterte auf deutlich über 20°C.

Auch an den Startgebühren lag es sicher nicht. Seit Jahren bewegen die sich auf konstant moderatem Niveau und zeigen manch anderer, deutlich weniger attraktiven Veranstaltung damit die rote Karte.

Teilnehmer der Klassen 1 und 5 fahren kostenfrei mit. Alle anderen Fahrzeuge zahlen jeweils 18€. Beifahrer je 9€.

Dafür erhält man eine Startnummer, umfangreiche Veranstaltungsunterlagen, ein attraktives Roadbook und zwei Mahlzeiten.

Da kann sich so mancher Veranstalter etwas abschauen. Wie oft werden Oldtimerbesitzer mit ihren Fahrzeugen zur Aufwertung diverser Festlichkeiten eingeladen und müssen dafür auch noch tief in die eigene Tasche greifen.

In Flammersfeld steht jedoch der Spaß an der Veranstaltung im Vordergrund. Fast 200 Helfer engagieren sich vor, während und nach der Rallye für die Teilnehmer.

Der Funkclub Marina zum Beispiel sichert die wichtigsten Streckenabschnitte und die Feuerwehren bereiten die Streckenführung vor und sorgen für Ordnung und Rahmenprogramm bei den Stationen usw..

Der älteste Teilnehmer der diesjährigen Raiffeisenfahrt war ein Overland Speedster aus Belgien. Dieser Wagen wurde 1912 erstmalig zugelassen. Fast 20 Fahrzeuge des diesjährigen Startfeldes waren bereits vor 1950 zugelassen worden.

Darunter, neben dem o.g. Overland auch mehre Peugeots, Ford, DKW, Morris, Harley Davidson und BMW.

Leider hatten die beiden ältesten Fahrzeuge gleich kurz nach dem Start Pannen. Das war den Fahrern vorher noch nie (!) passiert.

Trotzdem ließen sich die Besitzer, zu mindestens die des Overlands, nicht die Laune verderben. Sie luden ihren Wagen auf einen Trailer und fuhren dann eben so weiter mit.

Wie läuft die Historische Raiffeisen-Veteranenfahrt nun eigentlich ab?

Unmittelbar vor dem Start erhält jedes Team eine genaue Streckenbeschreibung. Darin enthalten sind aber nicht nur alle zu durchfahrenden Orte, sondern auch diverse und zum Teil hoch knifflige Aufgaben.

Die Raiffeisen-Veteranenfahrt ist somit eine Oldtimer-Orientierungsfahrt mit Wissensquiz.

Die Fragen beziehen sich durchweg auf Details entlang der alljährlich wechselnden Strecke.

So sind die Teilnehmer gehalten in jeden Vorgarten zu schauen, sich auch einmal umzudrehen und mit offenen Augen durch die Landschaft zu fahren.

Manchmal muss ein kleines Schild an einem Zaum entdeckt werden, manchmal ein großes Gebäude. Das Team muss die Reihenfolge der Motive in einer Liste notieren. Schummeln geht nicht, denn zwischendurch gibt es Stempel vom Veranstalter und Durchstreichen, Überschreiben, Ändern gilt in jedem Fall als Fehler.

Zu den einzelnen Motiven sind Fragen zu beantworten, die es ebenfalls oft in sich haben.

Manchmal muss man sogar Passanten um Rat fragen.

Während der Pausen müssen Geschicklichkeitstests überstanden werden und ganz am Ende gab es noch eine Schätzaufgabe.

Nach dem um 10:00 der Startschuss fällt müssen alle Roadbooks bis spätestens 17:30 wieder ausgefüllt am Ziel zurück gegeben werden.

Dann heißt es Geduld haben und abwarten.

Ab ca. 22:00 werden die Platzierungen veröffentlicht. Am nächsten Tag findet die Preisverleihung statt.

Der Gesamtsieger der diesjährigen Rallye war Eckhard Kramer aus Kescheid auf einer MZ TS 250 von 1975.

In der Klasse 2 gewann Adolfo Marrazza auf einem Wartburg 311 aus dem Jahr 1957.

Neben den o.g. Fahrzeugen aus DDR-Produktion fuhren noch einige weitere MZ, eine Schwalbe und ein Fahrzeug, welches in der offiziellen Starterliste als „Vebawe Wartburg 311“ angekündigt wurde.

Letzteres schmerzt ein wenig, weil es sich dabei um unsere Oma handelte, die in den letzten 20 Jahren oft an dieser Veranstaltung teilgenommen hat.

Aber wer sich an Kleinigkeiten stört vermiest sich nur selbst den Tag. Wir trugen es mit Humor und wurden mit einem tollen Tag, viel Spaß und dem 7. Platz in unserer Klasse belohnt.

Dafür bekamen wir sogar einen Pokal. Niemand war darüber erstaunter als wir selbst.

Unser Team bestand aus meiner Frau Tanja, meinem Sohn Oliver (5) und mir.

Oliver war als Chefnavigator tätig und sorgte zuverlässig dafür, dass wir keinen der kleinen orangenen Wegweiser verpassten, mit denen die Route ausgezeichnet war. Tanja suchte mit Adleraugen ununterbrochen die Gegend nach den Motiven der Fotos und nach möglichen Antworten für die Fragen im Roadbook ab.

Ich selbst konnte mich ganz auf das Fahren konzentrieren. Auf den häufig sehr kleinen Mittelgebirgsstraßen mit Haarnadelkurven nicht immer ganz leicht.

Außerdem hatte ich noch die Zusatzaufgabe des Bordmechanikers zu übernehmen. Denn leider hatten wir kurz vor dem Ziel noch eine Panne. Hier ein großes Dankeschön an den Organisator, der unseren platten Reifen entdeckte und auf verschiedenen Wege dafür sorgte, dass wir davon erfuhren. Wir mussten uns auf dem Parkplatz vorm letzten Stopp etwas in den Reifen gefahren haben. Während der Zeit der Kaffeepause und der letzten Geschicklichkeitsübung war alle Luft aus unserem linken Vorderreifen entwichen.

Schnell wurde das Rad ausgetauscht und die letzten Kilometer ins Ziel gefahren.

Stephan Uske