Realitäten (Signale 1972-6)

Automobilsport mangelte es nie an Anziehungs­kraft. Insofern erstaunt es kaum, daß jener Werkswagen mit der Startnummer 48 auf der Messe in Leipzig große Aufmerksamkeit weckte. Aber der Wagen war ebensowenig bloß bezugsloser „Blickfänger" wie alleiniges Symbol für sämtliche Eigenschaften des Gebrauchsautomobils WARTBURG 353.

 

Damit wären bereits sowohl Kontraste als auch Spannweiten angedeutet.

Der VEB Automobilbau Eisenach ist weder Spe­zialhersteller von ein paar Formelrennwagen pro Jahr noch Großserienproduzent ohne jegliches automobilsportliches Engagement — sondern bei der klar abgesteckten Aufgabenstellung des Wer­kes, also der planmäßigen Produktion moderner Personenkraftwagen, hat der betriebene automo­bilsportliche Einsatz eine gleichfalls program­mierte und zweckgebundene Rollenfunktion: als ein integrierter Bestandteil in der Forschung und Entwicklung sowie zur Qualitätsdemonstration.

 

Daher bleibt werksseitig Automobilsport sozu­sagen als technisch steriler Selbstzweck ausge­schaltet. Die Eisenacher Aktionen im Automobilsport richten sich vielmehr kennzeichnend und sinnvoll vornehmlich auf Wettbewerbe mit abso­lut oder weitgehend serienmäßigen Wagen. Kon­sequent findet derartige Teilnahme, noch dazu durch erstklassige Erfolge bekundet, ihren Nieder­schlag unmittelbar im WARTBURG 353. Konkret zeigt sich das an Leistungsvermögen, Fahrverhal­ten und Zuverlässigkeit.

Es wäre jedoch unzulänglich, eine wie auch immer geartete Sportlichkeit — die freilich heut­zutage allenthalben hoch im Kurs steht — als den bestimmenden Gradmesser moderner Automobilkonzeption zu betrachten und nur daher Beur­teilungsmaßstäbe abzuleiten. Ein Formelrennwa­gen ist eben kein Fahrzeug für öffentlichen Straßenverkehr, und der Auto-Alltag hat gar viele Seiten. Genau deshalb orientierte der VEB Automobilwerk Eisenach die Gesamtentwicklung WARTBURG 353 gleichermaßen oder noch vor­rangiger auf solche „unsportlichen", normaler­weise aber doch so wichtigen Gebrauchswerteigen­schaften und Allround-Qualitäten wie Wirtschaft­lichkeit, Komfort und Sicherheit.

Umso mehr allerdings zählen dann die — man könnte sagen dennoch — erzielten Rallyeresultate