Wartburg 353 (Signale 1973-5)

Bestform bewies P. Mücke auf seinem WART-BURG 353

Unstreitig haben Rennen mit Tourenwagen in den letzten Jahren überall enormen Aufschwung zu verzeichnen. Für Attraktivität sorgen echte Rennatmosphäre, die ja stets fasziniert, und zumal die Möglichkeit einer gewissen technischen Identifizierung für Zuschauer, die eben hier „ihren" Wagen rennen sahen.

Daß da freilich oft der Schein trügt, sei von vornherein nicht verschwiegen. Denn heutzutage und infolge der großzügigen Frisierfreiheit, die das FIA-Reglement lt. Anhang J vor allem bei Gruppe-2-Spezialtourenwagen einräumt (für die Homologierung bestimmter Modifikationen, z. B. von Vierventil-Querstromzylinderköpfen, wird lediglich eine 100-Stück-„Serie" vorausgesetzt), ähneln Renntourenwagen allenfalls äußerlich dem normalen Serienauto. Technisch jedoch bestehen teils bloß noch geringe Verwandtschaftsbeziehungen zum Alltagswagen.

 

Vor dem Start auf dem Schleizer DreieckAußerdem aber gibt es noch einen anderen Unterschied, der letztlich auch ausschlaggebend dafür ist, daß von Eisenach aus werksseitig bisher kein Einsatz bei Tourenwagenrennen erfolgte. Damit wäre nämlich das kleine zehnköpfige Team der Sportabteilung, das sich auf die internationalen Rallyewettbewerbe konzentriert, vollends überfordert. Das gilt nicht allein hinsichtlich Terminen, sondern vor allem angesichts der Präparierung von Wettbewerbsfahrzeugen. An einen WARTBURG 353 werden im Rallyeeinsatz mit dessen gegenüber reinen Rennen ungleich größerer Bandbreite weit vielschichtigere Anforderungen gestellt, während ein Renntourenwagen speziell und ausschließlich auf verhältnismäßig kurzzeitige Entwicklung maximaler Geschwindigkeiten ausgerichtet ist (und daher bei Rallyes kaum Ankunftschancen geschweige denn Erfolgsaussichten hätte).

 

Seitliche Öffnungen im FrontspoilerDie demnach erforderliche Zweigleisigkeit kann jedoch die Sportabteilung von der Personalkapazität her nicht verkraften.

Trotzdem ist der WARTBURG 353 in der Hochgeschwindigkeitsbranche durch die äußerst bemerkenswerten Aktivitäten von DDR-Clubfahrern ganz hervorragend vertreten.

 

Das stellte sich erneut bei den international besetzten Läufen zum Jubiläumsrennen auf dem Schleizer Dreieck heraus, das sich in den letzten Jahren klar als profilierter Wagenrennkurs kristallisierte. In den großen Startfeldern der Tourenwagen bis 1600 cm³ traten zahlreiche Clubfahrer mit WARTBURG 353 an, die ausgezeichneten Stand im Renn-Tuning aufwiesen. Kennzeichnend dafür waren tiefergesetzte Fahrwerke mit Spurverbreiterung, Scheibenbremsen, Spezialfelgen usw. sowie Motorleistungen von 90 PS und mehr. Trotz beträchtlichen Hubraumhandicaps gegenüber voluminöserer und in Werkseinsatz fahrender Konkurrenz wurden von 353-Clubfahrern ausgezeichnete Resultate erzielt. Als Beste Im Motorraum ist der Flüssigkeitskühler nach vorn unten verlegt. Dieser 353Motor bezieht sein „Kraftfutter" ebenfalls über eine Dreivergaseranlage.erwiesen sich vor allem P. Mücke, D. Pankrath und B. Zimmermann. Ein Anhalt dafür: Im Acht-Runden-Rennen war P. Mücke nur 7,5 Sekunden langsamer als der 1600-cm³-Klassensieger und fuhr mit seinem WARTBURG 353 auf dem bekanntlich überaus schweren Rennkurs von Schleiz einen Gesamtdurchschnitt von über 120 km/h!

 

 


Bilder von oben nach unten:

Bestform bewies P. Mücke auf seinem WART-BURG 353 in beiden Läufen während der Tourenwagenrennen auf dem Schleizer Dreieck.

 

Startaufstellung auf dem Schleizer Dreieck

 

Seitliche Öffnungen im Frontspoiler leiten Kühlluft direkt an vordere Scheibenbremsen.

 

Im Motorraum ist der Flüssigkeitskühler nach vorn unten verlegt. Dieser 353Motor bezieht sein „Kraftfutter" ebenfalls über eine Dreivergaseranlage.