Wartburg 353 (Signale 1973-6)

Die Eisenacher Werksmannschaft, hier vor der Abnahme

In Zusammenarbeit mit dem Werk veranstaltete der ADMV die XVI. Int. Rallye Wartburg vom 18. bis 20. Oktober, durchgeführt vom MC Eisenach unter der Schirmherrschaft des Betriebsdirektors des VEB Automobilwerk Eisenach der Wettbewerb,

Zahlreiche Zuschauer verfolgten interessiert das Startzeremoniell am Donnerstagabend auf dem Eisenacher Marktplatz. zu dem 122 Fahrerpaare aus der UdSSR, VR Bulgarien, CSSR, aus Dänemark, der DDR, VR Polen und Ungarischen VR starteten, zählte zur Mannschaftswertung für den „Pokal für Frieden und Freundschaft" der sozialistischen Länder und war Endlauf in der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft der DDR. Mit zwei Klassensiegen, den Siegen in den Wertungen der Nationalmannschaften und der Marken- bzw. Clubmannschaften und allein 3 Plazierungen unter den ersten Zehn im Gesamtklassement stellten die Fahrer der AWE-Sportabteilung auf WARTBURG 353 das bei weitem erfolgreichste Teilnehmerkontingent.

 

Hier absolvieren Niebergall/Malsch, die den  4. Platz in der Gesamtwertung belegten, die  Bergauf-Haarnadelkurven-Sprintprüfung Nr. 7.Superlative kennzeichneten überhaupt diesen Tourenwagenwettbewerb. „Das war die bisher am besten organisierte Veranstaltung. Diese Rallye Wartburg war aber auch die schwerste!" So lautete abschließend und stellvertretend für allenthalben geäußerte Ansichten die Beur­teilung des Leiters der ungarischen Mannschaft. Von Anlage, Streckenführung, Wertungsmaß­stäben und Vielseitigkeit der Anforderungen her wurde die „XVI." generell charakterisiert durch eine neue, moderne Konzeption. Sie be­rücksichtigte in vorbildlicher Abstimmung so­wohl die Belange einer umfassend die Ge­brauchstüchtigkeit heutiger Personenkraft­wagen belegenden sportlichen Prüfung als auch den störungsfreien Ablauf solchen inter­nationalen Härtetests im öffentlichen Straßen­verkehr.

 

Neu für die Rallye Wartburg war die nun auch hier praktizierte sogenannte Scratch-Wertung. Das heißt, auf der Langstrecke und für die Sprints gab es keine Differenzierungen nach Gruppenzugehörigkeit oder Hubraumklasse. Oder um gleich ein konkretes Beispiel zu nennen: Die 1000-cm3-Serientourenwagen WARTBURG 353 hatten im Gesamtklassement gegen die durchweg stärker motorisierten Markenteams aus der CSSR, der VR Polen und der UdSSR und auch gegen den Gruppe-3-GT-Wagen zu fahren, mit dem der polnische Europameister Zasada antrat, einen von Haus aus 210 PS leistenden 2687-cm³-Porsche Carrera. Noch ein Sprintstreckenfoto. Es zeigt Culmbacher/Ernst, als Vize-Gesamtsieger das beste AWE-Team in der Einzelwertung.Mit Rücksicht auf Umweltbeeinflussung wurde bei der Fahrzeugabnahme erstmalig eine Geräuschmessung durchgeführt, bei der eine bestimmte Phonzahl nicht überschritten werden durfte. Die Routen und Durchfahrtzeiten auf der Langstrecke vermieden weitgehend Beeinträchtigungen durch und für den Hauptverkehr, und die Sprints lagen abseits großer Straßen. Dies bedeutete hohe Tempoforderungen auf den Straßen vor allem während der Nachtetappen und Bestzeitfahren in den Wertungsprüfungen über Pisten minderer Wegekategorien.

 

Somit wären bereits grob die Bedingungen skizziert. Obendrein sorgten allerdings in der zweiten Nacht noch Nebel und Nässe für verschärften Schwierigkeitsgrad.

Diese XVI. Rallye Wartburg erstreckte sich einschließlich zehn Sprintprüfungen über 1500 km im Thüringer Mittelgebirgsraum und Harz, unterteilt in drei Schleifen mit jeweiligem Start und Ziel in Eisenach.

 

An Dramatik ließ der Ablauf des Wettbewerbs, auf den sich auch die ausländischen Teams durch gründlichstes Streckentraining sorgfältig vorbereitet hatten, keinerlei Wünsche offen.

 

Schon die erste Schleife reduzierte das Feld der 122 gestarteten Teilnehmer auf 84. Die anschließende und relativ harmlose Tagesetappe forderte lediglich weitere 9 Ausfälle Eine Zwischenwertung ergab, daß das ganz hervorragend fahrende CSSR-Team Jelinek/ Kvaizar auf Skoda 120 S sowie das Porsche-Paar Zasada/Zasada und Hommel/Bork mit einem Gruppe-2-WARTBURG die Spitze bil­deten. Danach aber kam mit Schleife III „der große Hammer". Dem mußten 40 Konkurren­ten Tribut zollen, nur 20 Teilnehmer erreichten das Endziel in Wertung. Von den Ausfällen betroffen wurden auch die Zasadas und sämt­liche Mannschaften außer der AWE-Equipe und dem schließlich an zweiter Stelle rangie­renden Skoda-Werksteam. Dadurch übernahm die DDR vor dem endgültigen Schlußlauf in der UdSSR auch die Führung in der Wertung zum „Pokal". Hommel/Bork hatte ein unfreiwilliger 16-Minuten-Aufenthalt auf der ersten Sprintstrecke zurückgeworfen. Dafür nun mobilisierten Culmbacher/Ernst von der Eisenacher Werksequipe einen geradezu unwahrscheinlichen Einsatz, und es gelang ihnen — noch dazu trotz eingehandelter Minutenverspätung durch fair geleistete Hilfe bei einem Clubfahrer —, bis auf Platz 2 im Gesamtklassement vorzustoßen. Das ist umso beachtenswerter, da sie diesen großen Erfolg mit einem Gruppe-I-Automobil herausfuhren, einem vergleichsweise ganz normalen Serientourenwagen WARTBURG 353.

 


Titelbild: Die Eisenacher Werksmannschaft, hier vor. der Abnahme (vorn der Wagen von Hommel Bark, 9. im Gesamtklassement) brachte bei einer Totalausfallquote von über 83 Prozent drei ihrer vier WARTBURG 353 siegreich ins Ziel.

 

Bild 2: Zahlreiche Zuschauer verfolgten interessiert das Startzeremoniell am Donnerstagabend auf dem Eisenacher Marktplatz.

 

Bild 3: Hier absolvieren Niebergall/Malsch, die den 4. Platz in der Gesamtwertung belegten, die Bergauf-Haarnadelkurven-Sprintprüfung Nr. 7.

 

Bild 4: Noch ein Sprintstreckenfoto. Es zeigt Culmbacher/Ernst, als Vize-Gesamtsieger das beste AWE-Team in der Einzelwertung.