Seit 1954... (Signale 1974-7)

Serienwagen aus Eisenach bei ersten Teilnahme,n anfangs mit dem F 9.

...mit neuem Sportprofil

 

Die Durchsetzung sozialistischer Produktionsverhältnisse in der 1949 gegründeten DDR, hier nun die Aufhebung antagonistischer Widersprüche zwischen Kapital und Arbeit, ließ auch zwei 1954 und 1956 im Werk getroffene Entscheidungen weit über das Gepräge automobilsportlicher Taktiken hinauswachsen

und die anschließenden Folgemaßnahmen zu einem bedeutungsvollen Faktor in der fortschreitend entwickelten Produktion moderner Eisenacher Personenkraftwagen wirksam werden.

 

Der serienmäßig in Eisenach verbesserte IFA F 9, hier u. a. mit durchgehender, gewölbter Frontscheibe, erhielt für Rallyeeinsätze einige Sonderausrüstungen. Aber z. B. die Scheibenwaschanlage wurde später Allgemeingut.Für den erwähnten Verzicht auf weitere Rennbeteiligung nach 1956 gab erstens die Erwägung den Ausschlag, daß angesichts forcierter Zuspitzung internationaler Renntechnik abermals eine komplette Rennsportwagen-Neuentwicklung hätte stattfinden müssen. Sicher wäre das in Eisenach nicht an unüberwindlichen Problemen gescheitert. Noch bestimmender war jedoch grundsätzlich: Auch ein neuer, perfektionierter Rennsportwagen würde bestenfalls wieder lediglich das hohe Niveau in der Konstruktion und Einzelanfertigung von Spezialfahrzeugen darstellen — damit aber keine offenkundigen Hinweise ergeben auf das gesamte Leistungspotential der Werktätigen des Betriebes bei der industriellen Produktion serienmäßiger Automobile und für deren Gebrauchstüchtigkeit im Alltagseinsatz.

 

Daher fiel die Entscheidung, nunmehr die automobilsportlichen Leistungsbeweise und Qualitätsdemonstrationen bezüglich der Erzeugnisse aus der sozialistischen Eisenacher Automobilproduktion ausschließlich und direkt mit den produzierten Serienwagen in entsprechenden Wettbewerben anzutreten.

 

Startszenen von Werkteams mit dem WARTBURG 311: Die Nachtaufnahme ist von 1961Diese Ausschließlichkeit werksseitiger Beteiligung an internationalen Rallyes trat nach dem Verzicht auf weitere Rennsportwageneinsätze vollends ab 1957 in Erscheinung, da bis dahin noch Zweigleisigkeit bestand. Denn bereits ab 1954 fuhren vom Werk aus eingesetzte Fahrzeugmodelle aus der Serienproduktion bei Tourenwagenwettbewerben.

 

Dieser Startzeitpunkt, das beginnende Wirksamwerden der Werkssportabteilung erhielt und hat seitdem besondere Bedeutung, weil damals im Werk bereits die Weiterentwicklung der völlig neu in die Eisenacher Automobilproduktion eingeführten Serienwagenbauweise mit Frontantrieb und Dreizylinder-Zweitaktmotor stattfand.

 

Von da an ist der Rallyesporteinsatz mit Werkswagen, übereinstimmend mit den jeweils produzierten Serienmodell, integrierte Bestandteil der gesamten Typenentwicklung des VEB Automobilwerk Eisenach!

 

1963 - Da hatte das Fahrzeug in der Serie den 1000er Motor erhalten.Dieser gravierende Prozeß wird noch näher zu erörtern sein. Doch vorerst nochmal zurück zum Ausgangsstadium.

Genau am 21. März 1954 starteten drei werkseigene Serienwagen zu der Fahrt „100 Kilometer durch die Dresdener Heide". Im gleichen Jahr wurden noch vier weitere Veranstaltungen bestritten, abschließend im November mit der ,,Rallye durch Thüringens Wälder", übrigens der Vorläuferin der ab 1955 ausgetragenen ,,Rallye Wartburg". Welches Medaillen-Gesamtergebnis bereits im Premierenjahr erzielt wurde, zeigt die Tabelle auf den Seiten 8/9. Absolventen jener ersten werkseitig beschicken Tourenwagenwettbewerbe waren Fahrzeuge des zuvor in die Produktion genommenen und hier in Eisenach bereits sowohl motorisch als auch in Karosseriedetails verbesserten IFA F 9, der dann 1955 seine Qualifikation bei internationalen Rallyes, so auch schon zur schwedischen „Rallye Mitternachtssonne", dokumentiert und damit auch auf dem Automobilsportsektor offenkundig erste Zeugnisse ablegte für die wachsende Leistungskraft der Eisenacher Automobilproduzenten.

 

 In zügiger Drift absolviert die 311-Werksequipe eine kurvengespickte Sprintprüfung, wo es auf Bestzeit ankommt. Spätestens Ende 1955 konnten aufmerksame Beobachter entdecken, in welchem Maße der VEB Automobilwerk Eisenach den Rallyeeinsatz in die Serienwagenentwicklung einbezog. Dann zur „I. Rallye Wartburg" am 2. und 3. Dezember 1955. Zu dieser Veranstaltung im Thüringer Mittelgebirgsraum traten im Rahmen abschließender Versuchserprobung sechs Wagen aus der Nullserie des neuentwickelten Baumusters 311 zum ersten automobilsportlichen Härtetest an. Wegen noch nicht homologierungsfähiger Stückzahl mußten diese Wagen in der damaligen Kategorie Gran Tourismo starten und hatten demzufolge verschärfte Bedingungen zu erfüllen. Das Ergebnis dieser Bewährungsprobe vor WARTBURG-Serienanlauf war ganz ausgezeichnet: alle sechs gestarteten Wagen am Ziel, sechs Goldmedaillen, Klassensieg und Sieg in der Mannschafts-Gesamtwertung.

 

Das Bild ist ein Schnappschuß von spannenden Aktionen beim Schlußrennen zur Internationalen „Rallye Wartburg" 1966, Sechs-Wagen-Start war und blieb freilich eine Ausnahmebesetzung. Die Werksbeteiligung pendelte sich auf maximal vier Wagen pro Veranstaltung ein und auf deren Einsatz bei durchschnittlich zehn bis zwölf Rallyes im Jahr. Über den so praktizierten Rallyesporteinsatz ab Serienproduktion WARTBURG 311 erfolgte und besteht seitdem untrennbare Verbundenheit mit internationaler Anerkennung und Konkurrenzfähigkeit des Erzeugnisses, mit fortwährend verstärkter Einprägung des Markenbegriffes WARTBURG für die Eisenacher Auto-mobile und mit der Weiter- und Neuentwicklung im Modellprogramm des Werkes.

 

In besonderem und gerade für die gegenwärtige Produktkennzeichnung mitentscheidendem Maße treffen die automobilsportlichen Aktionen des VEB Automobilwerk Eisenach in ihrer Effektivität auf die jüngste Eisenacher Personenkraftwagengeneration zu, auf den Typ WARTBURG 353. Damit begann der Wettbewerbseinsatz gleich nach Produktionsanlauf im Sommer 1966. Was sich bei diesem Prozeß inzwischen auf dem Konto angereichert hat, sind aber nicht allein ausgezeichnete internationale Rallyeerfolge. die auch schon den WARTBURG 353 als Gesamtsieger verzeichnete.Darüber hinaus wurden durch die Teilnahme buchstäblich Erfahrungen wertvollster Art gesammelt, anschließend in Forschung und Entwicklung wissenschaftlich-technisch ausgewertet, konstruktiv erneut umgesetzt und also vom gesamten Eisenacher Kollektiv der Werktätigen schließlich wieder realisiert in der Produktion vervollkommneter Gebrauchswagen WARTBURG 353.

 

 


Titelbild:  Serienwagen aus Eisenach bei ersten Teilnahmen, auch schon von Clubfahrern, an Rallyewettbewerben — anfangs mit dem F 9.

Bild 2: Der serienmäßig in Eisenach verbesserte IFA F 9, hier u. a. mit durchgehender, gewölbter Frontscheibe, erhielt für Rallyeeinsätze einige Sonderausrüstungen. Aber z. B. die Scheibenwaschanlage wurde später Allgemeingut.

Bild 3: Startszenen von Werkteams mit dem WARTBURG 311: Die Nachtaufnahme ist von 1961

Bild 4: 1963 - Da hatte das Fahrzeug in der Serie den 1000er Motor erhalten.

Bild 5: In zügiger Drift absolviert die 311-Werksequipe eine kurvengespickte Sprintprüfung, wo es auf Bestzeit ankommt.

Bild 6: Das Bild ist ein Schnappschuß von spannenden Aktionen beim Schlußrennen zur Internationalen „Rallye Wartburg" 1966,

Bild 7: die auch schon den WARTBURG 353 als Gesamtsieger verzeichnete.