Schicht am Band (Signale 1976-2)

Wartburg 353 - Karosseriemontage

Ob und wo das Fließband Fluch oder Segen bedeutet, bedarf im Grunde längst keiner Erörterungen mehr. Entscheidend ist, für wen das heute in der industriellen Entwicklung unerläßliche Fließband läuft, mit welchen Zielen, gegen Betroffene oder mit Beteiligten.

 

Der Schriftsteller Günter Wallraff schrieb kritisch, als er inkognito in einem BRD-Automobilwerk arbeitete: „Das Band frißt Menschen und spuckt Autos aus." Und zum rücksichtslosen Hochfahren des Fließbandtempos in einem nordamerikanischen PKW-Werk in Lordstown sagte der Vorsitzende der Automobilarbeitergewerkschaft, Gary Bryner: „Das kann einen Arbeiter umbringen."

 

Jedoch ist es eben nicht das Band schlechthin, das da die Menschen frißt. Es ist das vorherrschende Profitinteresse in der kapitalistischen Gesellschaft.

Demgegenüber besteht in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft, deren Gestaltung, wie im Programmentwurf der SED festgestellt wird, „in Angriff genommen" ist, die Hauptaufgabe in der weiteren Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus des Volkes. Das setzt eine leistungsfähige materiell-technische Basis voraus, hohe und stabile Wachstumsraten der Wirtschaft, insbesondere der Produktivität und der Effektivität der gesellschaftlichen Arbeit, und bestimmend ist eine hergestellte organische Verbindung zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Dies aber heißt, die ökonomischen Aufgaben, insbesondere die Intensivierung der Produktion, in ihrer Wechselwirkung mit den gesamten sozialen Beziehungen zu behandeln.

 

Ein konkretes Beispiel dafür, beispielhaft gerade für politische Massenarbeit der Betriebsparteiorganisation lieferte die Umstellung auf Zweischichtbetrieb in der WARTBURG-Endmontage. 

 

„Das Eisenacher Automobilwerk, seit langem dafür bekannt, daß es die Basis zur Erhöhung der Stückzahlen in vertiefter Intensivierung sucht, gilt auch als vorbildlich in der Auslastung der Grundfonds." Dies stellte kürzlich eine Tageszeitung dem Bericht voran, der sich mit der massenpolitischen Arbeit anläßlich der Vorbereitung des Endmontage-Produktionsabschnittes auf Zweischichtbetrieb befaßt. Dann werden die allseitigen Maßnahmen hierbei geschildert. Da wurden die von den Arbeitern zuerst gestellten Fragen über den nunmehrigen Arbeitsablauf in diesem früheren „Flaschenhals" der Produktion beantwortet. Die Technologen bewirken anhand der neuen Durchlaufpläne genau, wie die Produktion gesteigert und daß zugleich die Arbeitsbedingungen verbessert werden könnten. Parallel dazu wurden die auftauchenden persönlichen Probleme der Werktätigen besprochen, gemeinsam beraten und kurzfristig Lösungsmöglichkeiten angeboten, von der Neuabstimmung der Fahrpläne für auswärtige Kollegen und Kolleginnen über die Mithilfe bei Wohnungstausch und Eigenheimbau bis hin zur Betreuung der Kinder in den Krippen und Kindergärten — eine ideologisch und praktisch-organisatorisch betriebene, komplex durchgeführte und somit verwirklichte Einheit von Wirtschaftsund Sozialpolitik mit dem Ergebnis erhöhter Produktionsleistungen und auch daraufhin wieder verbesserter Arbeits- und Lebensbedingungen.

 

Nachzutragen wäre jedoch noch, da? die Umstellung auf Zweischichtbetrieb in der Endmontage schon vor einigen Jahren erfolgte und daß die anderen Produktionsbereiche schon vorher zur Schichtarbeit übergegangen waren: Im Zuge der Intensivierung nutzt AWE schon seit langem die hohe Auslastung hochproduktiver Maschinen und Anlagen.