Motor-"Frisur"? (Signale 1976-4)

Die geöffnete Motorhaube eines Gruppe-2-WARTBURG

Schon ein erster Blick unter die gelüftete Haube eines Gruppe-2-WARTBURG, wie er als Spezialtourenwagen in Rennen oder Rallyes gefahren wird, macht sofort klar, daß da (im Gegensatz zu Serientourenwagen Gruppe 1) kein Motor „wie vom Band" für höchst sportlichen Vortrieb sorgt.

 

Tatsächlich gibt es Experten, die mit ausgeklügelten Muntermachermethoden dem WARTBURG-Motor in einem Renntourenwagen sachkundig und fachmännisch zu ungefähr verdoppelter Leistungsabgabe verhelfen. Daß man sich für Rallyezwecke jedoch mit weniger begnügt, mit einem „Gruppe-1½-Tuning", wie es im Sportfahrerjargon heißt, sollte schon nachdenklich stimmen: Mit extrem forcierter Mehrleistung allein ist noch längst nicht der Sieg in der Tasche, vor allem nicht bei Rallyedauerdistanzen, und Leistungssteigerung geht beim Motor immer auf Kosten anderer Parameter oder Eigenschaften — das sei vorweg all denen gesagt, die privatim Gedanken hinsichtlich einer wenn auch bescheidenen Motor-Trimmkur hegen.

 

Einschlägige Anfragen gibt es bündelweise.

 

Dazu ist vor dem Hintergrund genereller AWE-Stellungnahmen hier einiges kurz und knapp zu antworten.

Selbstverständlich und erwiesenermaßen gibt es Möglichkeiten, Wege und Tricks, die Leistung des normalen WARTBURG-Motors anzuheben. Teils ist dies von der Spezifik des Zweitaktmotors her mechanisch einfacher als bei einem Viertakter, wo z. B. weitere Öffnungszeiten in der Gaswechselsteuerung eine andere Nockenwelle erfordern. Andererseits jedoch ist die Zweitakter-„Frisur" wiederum wesentlich komplizierter. Zwangsläufig sind daher simple Mache-es-selbst-Methoden, gewissermaßen „auf dem Küchentisch", von vornherein zuim Scheitern verurteilt. Das Resultat ist fast immer ein „geschlachteter Motor", der das Ersatzteilaufkommen belastet.

 

Vermeintlich weniger schwierigere Operationen an den Atmungswegen, etwa Entfernen des Ansaugfilters oder Ausräumen der Auspufftanlage, machen keine PS plus, sondern bringen das Gegenteil ein und dazu erhöhten Kraftstoffverbrauch und verstärkte Umweltbelästigung.

 

Damit wäre gleich noch auf einen äußerst wichtigen Punkt hinzuweisen. Jeder Eingriff, der die verbriefte Serienmäßigkeit des Fahrzeugs verändert, bedeutet den Schritt über wohlweislich aufgestellte Hürden der Legalität.

 

Das heißt im Klartext, daß dann die allgemeingültig typbezogene Betriebserlaubnis hinfällig wird und die Zulassung für den Magen erlischt. Ähnlich steht es mit Kraftfahrzeugsteuer und Versicherung, die ebenfalls von feststehenden Serien-Daten ausgehen.

 

Also Hände weg von jeglichem „Frisieren" (was auch für Manipulationen am Fahrwerk gilt, etwa das Spurverbreitern)!

 

Man orientiere sich doch bitte vernünftigerweise an den vorgegebenen WARTBURG-Sachverhalten. Der VEB Automobilwerk Eisenach hat im Laufe intensiver Entwicklung die Leistung des Dreizylinder-Fronttriebwerkes von 37 auf inzwischen 50 PS gebracht.

 

Damit bietet der Serienmotor 353-1, falls das noch nicht bekannt sein sollte, vergleichsweise Spitzenwerte von Leistung und Drehmoment — wohlgemerkt in optimal ausgewogenen Relationen zu Wirtschaftlichkeitsfaktoren, Laufkultur, Umweltverhalten sowie Langlebigkeit.