Automobilsport (Signale 1979-S)

Die ausgezeichneten Erfolge bei damaligen Tourenwagen-Wettbewerben verstärkten das Ansehen der Dixi-Automobile ab 1904.

Von Anfang an: Automobilsport in der Geschichte des Eisenacher Personenkraftwagenbaues

Zweifellos gab und gibt es über Automobilsport — heute sich darstellend auf einer Skalenbreite etwa vom Turnier im Wohngebiet bis zum makabren Formel-1-Zirkus auf Rennpisten der westlichen Welt — vielfältige Ansichten, Meinungen, Urteile.

Fest steht indessen, daß die eine und andere Form von Automobilsport mehr oder weniger bedeutungsvoll war und ist für die Entwicklung und Rolle des Automobils in Gesellschaft, Ökonomie, Technik und Verkehr.

 

Dieses Eisenacher Rennfahrzeug, basierend auf Fahrgestell und 1568-cm³-Motor des Dixi G 1, siegte im Grunewald-Rennen 1921.Das begann bereits 1894.

Acht Jahre zuvor war der erste Motorwagen entstanden. Vereinzelte Anfangslösungen des Systems automobiler Fortbewegung kamen jedoch kaum über lokale Zurkenntnisnahmen hinaus. Erst die „Wettfahrt für Wagen ohne Pferde" am 22. Juli 1894 von Paris nach Rouen brachte einen bahnbrechenden Wandel, als „Benzinkutschen" gegenüber einem zwar schnelleren Dampfwagen die schon bemerkenswert auf wichtigste Gebrauchseigenschaften orientierten Wettbewerbsbedingungen, nämlich die Strecke „ohne Gefahr, leicht handlich und mit nicht zu teuren Fahrtkosten" zu bewältigen, am besten erfüllten und so in verhältnismäßig breiter Öffentlichkeit großes Aufsehen erregten. Unmittelbar dar-auf befaßten sich nun einige Unternehmen mit ersten Fabrikationen motorisierter Kutschfahrzeuge.

 

Der von 1937 bis 1939 hergestellte Sportwagen 328 kennzeichnete den außerordentlich hohen Stand Eisenacher Automobilbautechnik der Vorkriegsjahre. Aus der 1896 gegründeten Fahrzeugfabrik Eisenach erschienen die ersten Wartburg-Motorwagen. Entwicklungsthema im Automobilbau der damaligen Zeit war zunächst und vor allem das neuwertige Antriebsmittel, der Motor, der die Muskelkraft von Pferden ablöste und hinten eingebaut war in leichten Kutschenfahrgestellen. Bei dem Wartburg-Motorwagen handelte es sich dabei um einen luftgekühlten 479-cm³- Zweizylindermotor mit 3,5 PS Leistung im Modell 1. Zwei dieser Motoren, zusammen installiert in der Mitte des praktisch unveränderten Fahrgestells, ergaben das Triebwerk des ersten Wartburg-Rennwagens, der um die Jahrhundertwende entstand. 1902 aber kennzeichnete bereits ein weiterer Rennwagen, u. a. Sieger im internationalen Automobilrennen bei Frankfurt/Main, den Schritt zu der Kraftwagenkonstruktion, die als klassisch gilt und mit der das Automobil erstmals eigenständige Gestalt erhielt. Dieser Eisenacher Rennwagen also besaß bereits einen Vierzylindermotor, untergebracht nun vorn in einem nicht mehr von der Kutsche entlehnten Blattfeder-Chassis, das Grundlage war für unterschiedliche Aufbauformen. Mit diesen Merkmalen, später als Standardbauweise bezeichnet, brachte ab 1904 die Fahrzeugfabrik Eisenach die Dixi-Automobile heraus.

 

 Von 1949 bis 1955 produzierte das Werk den EMW 340-2, der auch bei verschiedenen Wettfahrten in Erscheinung trat.Der Rennwagenbau erwies sich als durchaus fruchtbares Experimentierfeld in der damaligen technischen Entwicklung.

Aber es erfolgte auch schon die Teilnahme an automobilsportlichen Wettbewerben anderer Art, an damals veranstalteten Tourenwagenprüfungen, beispielsweise den von 1905 bis 1907 durchgeführten Herkomer-Fahrten. Übrigens wurde 1911 die erste Rallye Monte Carlo aus-getragen, sie war eine Sternfahrt. Bei derartigen Tourenwagen-Wett-bewerben stellten Dixi-Automobile, voran der leichte 6/14-PS-Typ R 8, ihre ausgezeichnete Fertigungsqualität, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit unter Beweis. Neben Gewinn an technischen Erfahrungen und weiterem Renommee der Dixi-Personenkraftwagen profitierte das Unternehmen natürlich auch bei den Positionen in der seinerzeitigen kapitalistischen Entwicklung.

 

Im damaligen Rennkollektiv des Betriebes wurden die AWE-Rennsportwagen entwickelt, sie zählten zu den schnellsten 1,5- Liter-Rennfahrzeugen der Welt. Für die zwanziger Jahre gibt es weitere Dixi-Erfolge im Rennsport zu verzeichnen.

Allerdings hat es nie eine Eisenacher Beteiligung an Grand-Prix-Rennen gegeben, und ab 1921 kam ein solches Eingreifen erst recht nicht mehr in Betracht. Denn im Grand-Prix-Rennsport begann die Kompressor-Epoche. Das Prinzip derartiger Aufladung von Motoren war jedoch wegen extremer Aufwendigkeit nicht allgemein auf die Gebrauchswagenentwicklung übertragbar und führte schließlich zur nahezu völligen Trennung der Wege in der Grand-Prix-Renntechnik und bei der weiteren Vervollkommnung des Automobils zum verbreiteten, wirtschaftlichen und zuverlässigen Individualverkehrsmittel.

 

Genau auf dieser Strecke zählte der Dixi-Kleinwagen zu den populärsten Motorisierungsmodellen jener Jahre. Anschließend setzte der Eisenacher Automobilbau abermals neue Maßstäbe in einer Etappe der technischen Entwicklung, die dann ausgewiesen wurde durch die markanten Zweiliter-Sechszylinderwagen der Vorkriegsjahre. Gleichsam die Verdichtung charakteristischer Eigenschaften dieser Eisenacher PKW, namentlich der Typen 321 und 326, war der ebenfalls serienmäßig hergestellte Sportwagen 328. Er gehört mit zahlreichen Siegen in Rundstrecken- und Bergrennen, Langstreckenfahrten und 1940 noch mit dem Gesamtsieg bei der italienischen Mille Miglia zu den erfolgreichsten Rennfahrzeugen überhaupt in der Geschichte des Autos.

 

Eines dieser Exemplare steht ebenfalls original im Eisenacher Auto-Ausstellungspavillon.Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief im Werk die Weiterentwicklung serienmäßig produzierter Zweiliter-Sechszylinder-PKW vom Typ 321 zum Sportwagen 327-2 und Typ 340. Der VEB Automobilwerk Eisenach war im internationalen Rennsport noch bis 1956 aktiv. Der Schlußstrich wurde mit dem 1954 auf Sechszylinderbasis neu entwickelten, 135 PS leistenden AWE-1,5-Liter-Rennsportwagen gezogen. Eine ganze Automobilsport-Ära, in der das Übergewicht deutlich bei Rennen lag, ging zu Ende — und schon hatte der VEB Automobilwerk Eisenach begonnen, sich im Automobilsport ausschließlich auf Wettbewerbe mit industriell produzierten Fahrzeugen zu konzentrieren. Von da an standen Modelle der vollkommen neuen Eisenacher Automobilgeneration von Frontantrieb-PKW am Start.

 


Titelbild: Die ausgezeichneten Erfolge bei damaligen Tourenwagen-Wettbewerben verstärkten das Ansehen der Dixi-Automobile ab 1904.

Bild 1: Dieses Eisenacher Rennfahrzeug, basierend auf Fahrgestell und 1568-cm³-Motor des Dixi G 1, siegte im Grunewald-Rennen 1921.

Bild 2: Der von 1937 bis 1939 hergestellte Sportwagen 328 kennzeichnete den außerordentlich hohen Stand Eisenacher Automobilbautechnik der Vorkriegsjahre.

Bild 3: Von 1949 bis 1955 produzierte das Werk den EMW 340-2, der auch bei verschiedenen Wettfahrten in Erscheinung trat.

(Die mit Limousinen dieses Typs vom Werk 1951 in eigener Regie veranstaltete Verbrauchsprüfung „Rund um die Wartburg" war der erste Serienwagenwettbewerb in der DDR.)

Bild 4: Im damaligen Rennkollektiv des Betriebes wurden die AWE-Rennsportwagen entwickelt, sie zählten zu den schnellsten 1,5- Liter-Rennfahrzeugen der Welt.

Bild 5: Eines dieser Exemplare steht ebenfalls original im Eisenacher Auto-Ausstellungspavillon.