Int. Rallye Wartburg (Signale 1979-S)

Wartburg 311 Rallye

Profiliertester DDR-Tourenwagenwettbewerb »vor der Haustür« des VEB Automobilwerk Eisenach - Int. Rallye Wartburg

Im Programm-Vorwort zur I. Rallye Wartburg stand ein bemerkereswerter Schlußsatz. Er lautete: „Die Rallye Wartburg ist die erste Veranstaltung ihrer Art in der DDR. Man darf gewiß sein, daß ihr weitere folgen. Rallye hat Zukunft!" Die Richtigkeit dieser Prognose ist längst bestätigt...

 

Mittlerweile stehen für die Int. Rallye Wartburg nach der XXI. im Oktober 1978 insgesamt 30 046 Kilometer zu Buche. Über diese Gesamtdistanz an höchste Ansprüche stellenden Wettbewerbskilometern auf zermürbenden Langstrecken und kurvengespickten Sprintprüfungen zwischen Renn-steig und Harz, Mariental und Schleizer Dreieck, bei Nacht und Nebel, Herbstsonne, Dauerregen und Schneetreiben wurde bislang ein bezeichnendes Kapitel Automobilsport aufgerollt. Es enthält repräsentative Höhepunkte in der Geschichte des DDR-Tourenwagensportes, umfaßt internationales Rallyesportgeschehen und dokumentiert technische Entwicklung der WARTBURG-Automobile.

 

Vorausgegangen war 1954 die „Fahrt durch Thüringens Wälder", werksseitig bestritten noch mit dem IFA F 9. 1955 fand dann die I. Rallye Wartburg statt, ausgetragen in Form einer „klassischen echten" Rallye, mit Sternfahrt, 850-km-Langstreckenfahrt und drei Sonderprüfungen. Wie diese Rallye-Premiere als erster öffentlicher Auftritt und Härtetest für die AWE-Neuentwicklung WARTBURG 311 „über die Bühne ging", wurde bereits erwähnt.

 

Ab 1963, zu dieser VIII. standen 94 Teilnehmer aus acht Ländern am Start, zeigte sich die Rallye Wartburg bereits in Form der modernen internationalen Tourenwagenwettbewerbe, das heißt ein Paket mit Zuverlässigkeitsfahrt und Orientierungsaufgaben auf der Langstrecke im normalen Straßenverkehr und Höchstforderungen an Fahrer und Fahrzeug in mehr oder weniger zahlreichen Sprint-Sonderprüfungen auf abgesperrten und ausgewählt schweren Pisten-Abschnitten.

 

Die IX., 1966 veranstaltet, gilt noch immer als die härteste und schwerste Rallye Wartburg. Von 135 gestarteten Teilnehmern beendeten nur noch 37 in Wertung diese „Zerreißprobe per excellence", wie eine Zeitung schrieb, und, was mit in diese Chronik gehört, der Gesamtsieg wurde erzielt auf einem Wagen des im Sommer des gleichen Jahres in Serienproduktion gegangenen Typs WARTBURG 353.

 

Hermann HanfKurt Otto, einer der erfolgreichsten Fahrer der Rallye WartburgDazu gleich noch eine Anmerkung: denn auch die Rallye Wartburg hat nicht nur eine technische Seite, sondern sie wurde zu dem, was sie ist und heute bedeutet, gestaltet von Menschen, von Fahrern, Sportfunktionären, von Genossen der örtlichen Organe und der VP, von vielen Helfern, Mitgliedern des MC Eisenach und anderer Motorsport-Clubs, von Angehörigen des Trägerbetriebes, des VEB Automobilwerk Eisenach. Zwei von ihnen allen seien genannt: Hermann Hanf (links auf den beiden Porträt-Fotos) ist seit 1957 der verdienstvolle Fahrtleiter der Rallye Wartburg, und mit vier Gesamtsiegen, dabei eben auch dem von 1966, ist Kurt Otto (rechts im Bild), der 1968 seine Piloten-„Laufbahn" in der AWE-Sportabteilung beendete und nun im Versuchsmusterbau des Werkes arbeitet, bisher ungeschlagen erfolgreichster Fahrer der Rallye Wartburg.

 

„Wanderpokal für die beste Fabrikmannschaft der Automobilindustrie der sozialistischen Länder"Neben der Rolle als DDR-Meisterschaftslauf zählt für den internationalen Rang der Rallye Wartburg seit 1969 vor allem ihr bisher fünfmaliger Status als DDR-Lauf in der Wertung zum „Pokal für Frieden und Freundschaft", der höchsten Trophäe im Tourenwagensport der sozialistischen Länder. Außerdem stiftete 1974 der VEB Automobilwerk Eisenach den (rechts abgebildeten) „Wanderpokal für die beste Fabrikmannschaft der Automobilindustrie der sozialistischen Länder". Erstmalig wanderte 1975 der Pokal in den Besitz der Eisenacher Werkswagenequipe, sie errang den Fabrikmannschaftssieg auf WARTBURG 353 W.

 

ZuschauerDie außerordentliche Attraktivität der Rallye Wartburg hat sich längst auch beim Publikum herumgesprochen. Daher verwundert es nicht, daß alljährlich Tausende von Zuschauern bei dem eindrucksvollen Startzeremoniell auf dem Eisenacher Marktplatz versammelt sind, wenn in den Abendstunden die Teilnehmerfahrzeuge von der Rampe rollen.

 

Und hier ist der Termin der XXII. Int. Rallye Wartburg: 25. bis 27. Oktober 1979.