Rallyesport-Technik (Signale 1979-S)

Wartburg 353W Rallye

Auch den derzeitigen AWE-Wettbewerbseinsatz kennzeichnet ein hochwirksames Verbundsystem: Rallyesport-Technik

„Der Rennwagen von heute ist der Gebrauchswagen von morgen." So hieß es einst. Doch der Spruch ist längst und in jeder Hinsicht überholt. An das moderne Individualverkehrsmittel werden qualitativ und quantitativ Ansprüche erhoben, die vom Rennfahrzeug her ganz einfach nicht reproduzierbar sind.

Wie aber ist es um Bezüge im Rallyesport bestellt? Auskünfte darüber geben AWE-Werkswageneinsatz und WARTBURG-Entwicklung.

 

Blick in den MotorraumTatsächlich treten hier seit zweieinhalb Jahrzehnten wirksame Kooperationsverhältnisse in Erscheinung. So antwortete 1964 der Leiter der AWE-Hauptabteilung Forschung und Entwicklung auf eine entsprechende Anfrage: „Auf den ersten Blick wird einem Außenstehenden der Einfluß der Rallyebeteiligung auf die technische Weiterentwicklung nicht sofort offensichtlich. Man könnte meinen, für die Forschung und Entwicklung stehe die augenblickliche Fahrzeugkonstruktion nicht mehr zur Debatte, und in Rallyes werde ja der Wagen gefahren, wie er schon in großen Stückzahlen produziert wird. Solche Ansichten bedürfen gewisser Korrekturen. Uns bedeutet das Rallye-Verhalten des vorhandenen Serienwagens einen wichtigen Anhaltspunkt für Weiterentwicklungen. Außerdem besteht technischer Fortschritt nicht allein aus einem großen Sprung, einem neuen Typ, sondern ebenfalls aus Modellpflege, aus Verbesserungen derzeitiger Bauteile. Dafür aber liefert uns jede Rallye, auch die im sportlichen Ergebnis vielleicht weniger befriedigende, wertvolle Hinweise und Unterlagen."

 

Selbstverständlich war und ist der AWE-Werkswageneinsatz nicht das alleinige Bewegmittel zu fortwährender technischer WARTBURG-Vervollkommnung. Aber:

 

Die Rallyefahrer forderten seinerzeit das Synchrongetriebe; nach Serieneinführung 1958 ergab es für den normalen Fahrbetrieb erhöhten Schaltkomfort. Die Hubraumaufstockung von 900 auf 1000 cm³ kam mit auf Drängen der Sportabteilung zustande, weil bis 1962 praktisch 100 cm³ an die Konkurrenz verschenkt wurden. Dann die Entwicklung des 50-PS-Motors 353.1 bis zur Serienreife stützte sich, in Ergänzung wissenschaftlich-technischer Arbeiten, auf Rallye-Erfahrungswerte und -Tests. Ebenso trifft dies zu auf die Scheibenbremsen des Typs 353 W.

 

Diese Beispiele zeigen aber auch, daß das derzeitige Rallye-Reglement Spielraum läßt für Technik, die nicht oder nur in geringem Stückzahl-Umfang serienmäßig zur Anwendung gelangt.

 

Röntgenblick in den Wartburg 353WDiese „Freiheit" nutzen, wie bereits angedeutet, Konkurrenzmarken zu Herstellung und Wettbewerbseinsatz speziell entwickelter Gruppe-4-Fahrzeuge.

Währenddem bringt die AWE-Sportabteilung Wagen zur Rallye-Fahrzeugabnahme, die nicht nur in Karosseriekonturen, sondern in sämtlichen Baugruppen eindeutig auf der Technik des produzierten Serientyps basieren — auch die Wettbewerbsmodelle WARTBURG 353 WR. Der Zusatzbuchstabe R weist darauf hin, daß es sich hier um die homologierte Gruppe-2-Rallyeversion handelt. Äußerlich kennzeichnend sind Spur- und Kotflügelverbreiterungen. Der prinzipiell unverändert angewendete Dreizylinder-Zweitaktmotor ist aufgebohrt auf maximal 1150 cm³ und, mit speziellen Ansaug- und Abgassystemen, abgestimmt auf 74 bis 78 kW (100 bis 105 PS) Leistung. Das Getriebe erhielt einen 5. Gang. Übrigens ist anzumerken und für Erfolgsbeurteilungen wichtig, daß diese WARTBURG-Wettbewerbswagen bei verschiedenen Rallyes eingestuft wurden und werden in die Hubraum-klasse bis 1600 cm³.

 

Neben den Gruppe-2-Wagen brachte und bringt die AWE-Sportabteilung konsequent ständig zumindest ein Gruppe-1-Fahrzeug in die Wettbewerbe. Das heißt, dieser Wagen — auf dessen Konto ebenfalls Klassensiege kommen und der mitbeteiligt ist an den Mannschaftserfolgen der AWE-Equipe — gleicht technisch (abgesehen von obligatorischer Rallyeausrüstung und Sonderzubehör) absolut dem WARTBURG 353 W wie er tagtäglich Stück um Stück serienmäßig vom Endmontageband des Werkes rollt.