Rallyes und Rennen (Signale 1980-5)

der serienmäßige Sportwagen Typ 328

(1929-1939/40)

Von vorwiegend großformatigen und relativ luxuriösen Automobilen waren die Dixi-Werke 1927 im Erzeugnisprogramm rigoros abgeschwenkt. Genau am 1. Januar 1928 begann der offizielle Verkauf des Dixi DA 1,

der „innen größer als außen" und mit 15 PS leistendem 750-cm³-Vierzylindermotor in ganz kurzer Zeit zu einem der populärsten und berühmtesten Kleinwagenmodelle überhaupt avancierte. Jener DA 1, binnen eines Jahres in rund 7000 Exemplaren produziert, war zugleich der letzte Dixi — und der erste BMW-Personenkraftwagen. Die Bayerische Motoren Werke AG hatte mit Wirkung vom 16. November 1928 die Dixi-Werke aufgekauft.

 

Der 328er Motor und sein „Erfolgsgeheimnis"Damit begann ein neues Kapitel, nicht nur den Eisenacher Automobilbau betreffend.

 

Der DA 1 erschien 1929, bald mit einer vorderen Schwingachse versehen, als BMW 3/15 PS (DA 2). Eine Variante davon war der BMW-„Wartburg"-Sportwagen, der sich großer Beliebtheit erfreute und in seiner Klasse auch ein sehr erfolgreiches Wettbewerbsfahrzeug war. Seine Überlegenheit gegenüber der Konkurrenz, seinerzeit in erster Linie den DKW-Sportwagen, beruhte bei kaum begeisternder Straßenlage vor allem auf dem robusten Motor, der trotz 20prozentiger Leistungssteigerung auf 18 PS ausdauernd und zuverlässig blieb.

 

Fast hat es rückblickend den Anschein, als seien so bereits Grund-risse für die Eisenacher Automobilsport-Technik der folgenden zehn Jahre abgesteckt gewesen.

 

Tatsächlich war der Entwicklungsgang — die ursprüngliche These „Der Rennwagen von heute ist der Gebrauchswagen von morgen" umkehrend — vom hochqualifizierten Serienfahrzeug zum überlegenen Sportwagen mit speziell leistungsgesteigertem Motor die nun kennzeichnende Konzeption.

 

Nach Auftakt mit DA 2/„Wartburg"- Sportwagen folgte in der 1934 begonnenen Reihe Eisenacher Sechszylindermodelle dem 1,5-Liter-34-PS-Normaltyp 315 der Sportwagen 315/1 mit 40 PS leistendem Dreivergasermotor, dann 1935/36 dem 1,9-Liter-45-PS-Typ 319 die 55-PS-Sportausführung 319/1.

 

der Mille-Miglia-Langstreckenrennenkopf mit dem eigenartigen VentiltriebDen Gipfelpunkt stellte indessen der auf den Zweiliter-Serienmodellen 320 bzw. 326 basierende Sportwagen Typ 328 dar, von dem übrigens bis 1939 insgesamt 464 Stück hergestellt wurden, so daß auch bei diesem Fahr-zeug von einem Serienwagen zu sprechen ist. Premierenerfolg war die schnellste Zeit in der Sportwagenkategorie im Int. Eifelrennen 1937 auf dem Nürburgring. Sieg um Sieg, Erfolg um Erfolg bei den Wettbewerben, Rundstrecken-, Berg- und Langstreckenrennen, Zuverlässigkeitsfahrten sowie Geländeprüfungen schlossen sich an, bis 1940 — als Hitler Europa schon mit Krieg überzogen hatte — die steile Karriere des 328 als erfolgreichster Sportwagen jener Jahre mit Sieg und Mannschaftspreis bei dem italienischen Mille-Miglia-Langstreckenrennen vorläufig endete. Vorläufig, denn nach dem zweiten Weltkrieg bildeten zumindest 328er Motoren, die erhalten geblieben waren, den Grundstock für damals neue Renn-und Sportwagenkonstruktionen, etwa von A.F.M., Veritas, Bristol in England und, nicht zuletzt, vom Suhler Altmeister Paul Greifzu.

 


Titelbild: In vielen Wettbewerben siegreich: der serienmäßige Sportwagen Typ 328. Auch von diesem Fahrzeugtyp, der ein Stück internationaler Automobilsportgeschichte repräsentiert, steht ein Original im Eisenacher AWE‑Ausstellungspavillon.

Bild 1: Der 328er Motor und sein „Erfolgsgeheimnis", ...

Bild 2: ...der Mille-Miglia-Langstreckenrennenkopf mit dem eigenartigen Ventiltrieb.