Fakten und Funktionen... (Signale 1984-S)

WARTBURG 353 WR auf Sprintstreckenkurs

...vom AW E-Sporteinsatz im Großen und Ganzen

Der gesamte Personalbestand der AWE-Sportabteilung belief und beläuft sich auf knapp ein Dutzend Betriebs-angehörige — und dies einschließlich Fahrern und Copiloten sowie Servicekadern für die vier Werkswagen.

 

Teilstück modernster Technologien bei der Fertigung der WARTBURG-AutomobileSeit dem Frühjahr 1954 bis zum Spätherbst 1983 erzielte die Sportabteilung des VEB Automobilwerk Eisenach bei internationalen Rallyes auf dem europäischen Kontinent 199 Klassensiege, 28 Siege im Gesamtklassement, 67 Siege als Fabrik- oder Nationalmannschaft sowie 445 Goldmedaillen, 174 Silber- und 137 Bronzemedaillen. Angesichts der Trends im modernen Rallyesport ist dies ein außerordentlich hervorragendes Ergebnis. Darüber hinaus jedoch resultiert eine weitere Bilanz zu Form, Inhalt und WARTBURG-Komplexität des AWE-Sportengagements.

 

Die Zeiten klassischer Rallyestrukturen gingen bereits während der fünfziger Jahre zu Ende. In der Konkurrenz namhafter PKW-Hersteller traten große Tourenwagenwettbewerbe als Leistungsbeweise gewissermaßen die Erbschaft früherer Grand-Prix-Rennen an. Die sogenannte Scratch-Wertung (keine Unterscheidung mehr nach Hubraum und Tuningstufe im Gesamtklassement) trat in Kraft, und mit ständig wachsendem Anteil von Bestzeit-Sprintprüfungen wurden die Rallyes entscheidend zu reinen Geschwindigkeitsdisziplinen über lange Distanzen.

 

Hochrüstung in jeder Hinsicht kam zum Tragen, von eigens in geringer Stückzahl gebauten Gruppe-4-Autos über Besetzung mit Weltklassepiloten bis zu immensem Service-Aufwand. Das ab 1982 geltende neue Technik-Reglement verhinderte nicht ein erneutes Ausufern. Derzeit befinden sich Spezial-Coupés im Rallyewettbewerb, deren Turbolader- oder Kompressormotoren etwa 260 kW (350 PS) leisten, Allradantrieb scheint obligatorisch zu werden, und bei neuesten Projekten läuft die Leistung schon auf die 375-kW-Marke zu. Hundertschaften von Mechanikern betreuen die von Helikoptern aus dirigierten Star-Teams, in die jeweils Millionenbeträge investiert sind.

 

Gegenüber derartigen kompromißlos in WM- und EM-Liga ausgetragenen Operationen — mit denen sich die AWE-Equipe übrigens auch 1984 wie-der bei zumindest sechs der acht geplanten Rallyes (angefangen zur spanischen Rallye Costa Blanca und endend im November zur Rallye du Condroz in Belgien) konfrontiert sieht — standen und stehen die mit vergleichsweise bescheidenstem Aufwand betriebenen AWE-Sport-Aktionen stets in unmittelbarem Zusammenhang mit der Eisenacher Automobilbau-Basis.

 

Entwicklungsbeiträge

Die WARTBURG-Sportaufgebote enthielten konsequent stets absolut oder weitgehend serienmäßige Fahrzeuge. Die Tatsache des ständigen Serienwagen-Einsatzes wurde bereits erwähnt. Aber auch die eingesetzten WARTBURG 353 WR, deren Dreizylinder-Zweitaktmotoren nach bisherigem Gruppe-2-Reglement 1983 rd. 83 kW (110 PS) leisteten, beruhten in sämtlichen Baugruppen auf dem technischen Konzept des Serientyps. Ab 1984 nun ist die WARTBURG-Rallyetechnik ausschließlich auf seriennahe Ausführung nach Vorschriften der neuen Gruppe A konzentriert. Hier liegt der Leistungspegel der mit serienmäßigem Vergaser bestückten Motoren bei 60 kW (80 PS).

 

Die Orientierung auf Serienmäßigkeit minimierte zwar Gesamtklassement-Erfolgsaussichten, lieferte jedoch gleichzeitig die besten Voraussetzungen, die Rallyeaktionen fortwährend mit der WARTBURG-Weiterentwicklung zu synchronisieren. Forderungen aus dem Sporteinsatz wurden an die Serienausführung herangetragen, und bei den Überleitungsmaßnahmen ergänzten die in Rallyes gewonnenen Erfahrungen, was durchaus auch wörtlich zu werten ist, die wissenschaftlich-technische Versuchserprobung. So sind maßgebende Neu- und Weiterentwicklungen sowie Baugruppen-Optimierungen in der WARTBURG-Typenreihe mit aus vielen tausenden Rallye-Kilometern hervorgegangen.

 

Sport und Alltag

„Im unerbittlichen Wettbewerb werden die Rallye-Wagen Belastungen und Prüfungen ausgesetzt, die im normalen Versuchsbetrieb und Straßenverkehr nie auftreten. Daher wird das Fabrikat, das sich unter diesen Bedingungen bewährt und durchsetzt, auch für den Kunden im täglichen Fahrbetrieb sicher und zuverlässig sein". Diese im Prinzip allgemeingültige Feststellung, getroffen vor Jahren vom AWE-Betriebsdirektor, kennzeichnet insbesondere einen weiteren Aspekt des Eisenacher Automobilsport-Engagements.

 

Die ausgezeichneten Ergebnisse und Demonstrationen von Leistungsvermögen, Fahreigenschaften und Zuverlässigkeit der WARTBURG-Automobile erbrachten überzeugende Werbe-und Verkaufsargumente, zumal die interessierte Öffentlichkeit und potentielle Kundenkreise von den gezielt nach Schwerpunkten im WARTBURG-Export ausgewählten und bestrittenen Rallyes (fast alle freilich anspruchsvollste WM- und EM-Läufe) wahrnehmen konnten, daß da keine Superfahrzeuge, sondern Gebrauchswagen auf Großserienbasis erfolgreich konkurrierten. Entsprechend waren und sind Reaktionen und Schlußfolgerungen, auch wenn sie sich natürlich nicht, wie die Sportergebnisse der AWE-Equipe oder die Exportquoten selbst, in Zahlen konkret registrieren lassen.

 

Motivation des Kollektivs

Von Einsatz und Resultaten der Sportabteilung geht rückkoppelnd noch ein Mobilisierungs- und Effektivitätsfaktor aus zu vielen Arbeitsplätzen im Werk. Bei Auslandsaktionen oder gar wenn alljährlich zur Int. Rallye Wartburg die Mehrheit aller Betriebsangehörigen den Wettbewerb sozusagen vor der eigenen Haustür begeistert verfolgt, immer sprechen die Eisenacher Automobilwerker von „unseren" Wagen und „unseren" Fahrern. Diese ebenso vollauf berechtigte wie stolze Gleichsetzung charakterisiert jenen inneren Verbund, der — keineswegs zuletzt — mit stimulierend wirkt auf Leistung und Qualität in der WARTBURG-Produktion.

 


Termin der diesjährigen XXVII. Int. Rallye Wartburg 19. — 20. Oktober


Titelbild: WARTBURG 353 WR auf Sprintstreckenkurs

Bild 1: Teilstück modernster Technologien bei der Fertigung der WARTBURG-Automobile