Wenn ein Ostbauernhof... (Signale 43-64)

Viel los auf dem Bauernhof...

...in den Westen muss sollte man schon: einen Anhänger haben oder gleich den Westen in den Osten holen

Eine wahre Geschichte als Hintergrundinformation zu einer Messevorbereitung vom Vereinsmitglied Jörg Siebert.

Das Thema einer bäuerlichen Szene zur diesjährigen TC stand ja schon länger fest.

Demzufolge könnte man sich ja fast ein Jahr darauf vorbereiten. Wie gesagt, fast (was mich betrifft). In der letzten Vereinszeitung vor der Messe hat unser Vereinsvorsitzender nochmals aufgerufen, diverse Ausstellungsstücke zu organisieren. Ich hab vorgeschlagen, mich um den Hahn zu kümmern, der auf den „Misthaufen“ sitzen sollte sowie dessen Henne und 2 Küken. Dies hat wunderbar geklappt, dank der unkomplizierten Hilfe der Fa. Kösener Spielzeug Manufaktur, die diese Plüschtiere extra für die Messe gefertigt haben.

2 Wochen vor der Messe hab ich Dirk informiert, was ich denn alles noch mitbringen würde. Ich war zufällig im Garten meiner Eltern und sah diverse Zinkwannen und Blechkannen, die auf alle Fälle älter als ich sein mussten. Und ich bin Jahrgang 1974. Jedenfalls rief ich vom Garten meiner Eltern Dirk an, um die Dinge zu melden. Ihm fiel dann noch mehr ein. Er las mir seine Liste vor: Tisch, Bänke, Milchkannen, Dachziegel für ein Vordach, Türen etc. All die Dinge, die er noch wollte, standen rein zufällig im Garten rum. Für die Bänke habe ich zugesagt, da 3 Stück vorhanden waren. Ich fing langsam an, zu überlegen, wie das Zeug alles von Leipzig nach Essen soll!! In meinen kleinen Audi A3 passen nicht mal eben 3 Bänke rein. Da fiel mir ein, dass mein Kumpel Roy sich einen neuen Anhänger kaufen möchte. Ein kurzer Anruf bei ihm genügte und er wusste von meinem „Leid“. Er grübelte hin und her, da er momentan keine Geld hatte zwecks Hausbau. Ich schlug ihm vor, dass ich die Kosten für die Anhängeranmeldung übernehmen würde, da ich den Hänger spätestens Karfreitag brauche. Auf diesen Deal ging er ein, kaufte den Hänger und ich war 50€ ärmer für die Anmeldung. Am Karfreitag bin ich in den Garten meiner Eltern gefahren und hab das ganze Material geholt. Vorher bin ich noch zu meiner Mutter auf Arbeit und hab ihr schonend beigebracht, dass ich all ihre Sitzgelegenheiten aus dem Garten für 2 Wochen brauche. Ich sagte ihr, es wäre auch für Stephan. Nicht wahr, Stephan...

Helmut Neumann und Olaf Heineken auf dem Selbstbautraktor mit EMW-MotorOstersonntag bin ich dann gemütlich (dank Tempomat) mit 90km/h die 500km von Leipzig nach Bruchhausen gefahren. Anmerkung am Rande: mein neuer Dienstwagen war zu dieser Zeit 3 Wochen alt und hatte 1000km auf dem Tacho. Laut „Einfahrvorschrift“ darf er erst ab 2500km mit Anhänger fahren. Auf der Messe angekommen, wurden erstmal die 2 Wände zum x-ten mal tapeziert und diverse Fachwerke, Türen und Tore angebracht. Sämtliche Utensilien haben wir dann großflächig auf dem Boden verteilt und den Stand hergerichtet. Nebenbei erfuhren wir, dass es große Probleme mit dem geplanten Wartburg gibt, der ausgestellt werden sollte. Somit stand die Messe kurz vor dem Aus, bevor es überhaupt losging, da wir kurz vorm Einpacken waren. Es wurde überlegt, beratschlagt und telefoniert, wo denn ein Wartburg in der Nähe steht, der als Ersatz dienen könnte. Als Helfer in der Not hat sich unser Vereinsfreund Jürgen Wollhofer bereiterklärt, seinen Wartburg 353 zur Verfügung zu stellen. Er war nur skeptisch, das sein Auto nicht so gut ankommen würde, da er nicht gewaschen war. Aber das Gegenteil trat auf der Messe ein. Mit einer gesunden Schmutzpatina erregte er viel Aufsehen bei den Besuchern, da ein schmutziges Auto auf einen Bauernhof nun mal gehört. Den geplanten qualmenden Misthaufen mit einem Hahn drauf, konnten wir nicht ganz realisieren. Die Feuerwehr meinte, wenn aus dem Stroh Qualm kommt, rufen die Besucher sofort bei der Feuerwehr an und melden den Vorfall. Somit haben wir den Hahn normal auf den Strohballen, und die Henne samt Küken, davor gestellt.

Unserer Ausstellungsfläche gegenüber ist ein Snack-Point, der viel besucht wird. Wir haben unseren Stand mit großen Strohballen abgegrenzt, damit die Besucher nicht einfach bei uns rumlaufen. Diese wurden von den pausierenden Besuchern aber gern als Sitzfläche benutzt, was uns gegen den Strich ging, da unser Stand dadurch nicht mehr einsehbar war. Dirk kam auf die glorreiche Idee, auf diese Heuballen diverse Ausstellungsstücke zu legen, damit sich die Besucher nicht darauf setzen. Die harmlosesten „Sitzverhinderer“ waren Kaffeemühlen und –kannen. Die schärfsten waren, und das kann man wörtlich nehmen, alte und verrostete Sicheln. Es hat sich keiner mehr hingesetzt. Außer einer älteren Dame; die Sichel hat es aber überlebt.

Als die vielen Jurymitglieder kamen, um unseren Stand zu bewerten, wurden diese mit bunten Ostereiern „bestochen“. Unser Stand hat aber dennoch einen positiven Eindruck hinterlassen. Und, wir glaubten schon an ein Wunder, wurden unsere 2 Vereine diesmal zusammen bewertet, sodass es nur eine Punktzahl gibt. Dadurch hatten wir, nach Rücksprache mit den Juroren, gute Chance, unter die ersten 10 von 200 Plätzen zu kommen. Dirk und ich standen dann bei der Siegerehrung. Die ersten 10 Plätze bekommen einen Pokal und die ersten 6 Plätze jeweils einen Geldbetrag. Als unser Stand bis zum Platz 7 nicht aufgerufen worden ist, wurden wir schon nervös. Die Plätze 6 und 5 wurden vergeben, und wir waren immer noch nicht dabei. Da wir wussten, wer der Favorit ist, haben wir an den ersten Platz nicht geglaubt. Und auf einmal wurden wir aufgerufen, mit der Info, dass auf einen Bauernhof noch eine Gulaschkanone gehört und wir den 4. Platz gewonnen haben. Den Pokal und 500,00€ in Bar nahmen wir dankend entgegen und überraschten damit den Rest der Mitglieder, die in der Zwischenzeit den Stand gehütet haben.

Übrigens: einige Besucher haben uns gefragt, wie viel von den Traktoren hergestellt worden sind. Mit ca. 10.000 Stück haben wir bestimmt in der Antwort nicht gelogen. Das es mindestens 2 gibt, habe ich 1 Woche später live erlebt. Ich war auf einem Dorf in der Nähe von Dornburg. Und da man sich ja als Oldtimerfreund immer umdreht und schaut, von wo diverse 2-Takt- oder Traktorgeräusche (z. B. vom Lanz) herkommen, kam mir ein Traktor, Marke Eigenbau, entgegen. Der sah genauso aus, wie unser Ausstellungstraktor. Die Welt ist klein…

 

Randnotiz:

 

Meine Eltern saßen 2 Wochen im Garten auf der Veranda auf geborgten Stühlen vom Nachbarn, da ich alle Bänke in Essen hatte. Und mein Kumpel Roy konnte Ostern kein Osterfeuer machen, da ich seine Axt samt Hackeklotz und Holzscheite hatte. Alle haben es jedoch verkraftet.

Wir sehen uns bei der nächsten TC im Jahre 2011. Bis die Tage...

Jörg Siebert