Messestandort Essen (Signale 50-71)

...steht vor der Rettung - Städtischer Eigentümer beschließt Millionen-Bürgschaft für notwendige Modernisierung

 

 

Frank Thorwirth ist erleichtert. Der Arbeitsplatz des Geschäftsführers der Messe Essen ist in den vergangenen Tagen deutlich sicherer geworden. Denn der Rat der Stadt hat nach monatelangen Streits und Beratungen grünes Licht für ein Modernisierungs- und Restrukturierungsprogramm gegeben, das die Wettbewerbsfähigkeit der Messe Essen wiederherstellen soll. Der Beschluss sichert der städtischen Tochtergesellschaft eine Bürgschaft für Kredite von bis zu 100 Millionen Euro zu. Damit soll das in die Jahre gekommene Gelände ertüchtigt werden, wie es im Amtsdeutsch heißt.

Und das ist dringend nötig. Denn die älteren Hallen sind noch immer zweigeschossig. Und diese Flächen lassen sich kaum noch vermieten. Die Gastmesse Aluminium zum Beispiel wechselt deswegen ab dem Jahr 2012 nach Düsseldorf, die Fitnessmesse Fibo wiederum zieht nur ein Jahr später nach Köln um. Und weitere Abwerbeversuche der Konkurrenz dürften folgen. Das größte Interesse besteht dabei dem Vernehmen nach an der Fachmesse Schweißen und Schneiden, wenngleich die Veranstaltung mit zuletzt gut 1000 Ausstellern noch langfristig gebunden ist.

Um dieser und anderen Branchenschauen eine dauerhafte Perspektive bieten zu können, soll mittels der so genannten Ausbauvariante "Portal Ost" Ersatz für die Hallen 4 bis 12 und für das Messehaus Ost durch vier neue Großhallen samt Foyer- und Kongressbereich geschaffen werden. Zudem erhält auch die angrenzende Grugahalle, in der regelmäßig Tagungen und Kongresse sowie Events und Konzerte stattfinden, zusätzliche Flächen. "Mit diesem Paket haben wir die Zukunftsfähigkeit eines unserer wichtigsten Wirtschaftsförderungsinstrumente auf sichere Fundamente gestellt", meint Essens Oberbürgermeister und Messe-Aufsichtsratschef Reinhard Paß (SPD).

Branchenexperten allerdings geben sich weit weniger euphorisch. Denn die vorgelegten Ausbaupläne gelten allenfalls als kleine Lösung, nicht vergleichbar mit dem vor gut vier Jahren ersonnenen Zukunftskonzept "Masterplan 2012". Das Konzept hat die politischen Mühlen in Essen nicht überlebt. "Wir haben dadurch viel Zeit verloren", heißt es aus dem Umfeld der Messegesellschaft. Und auch jetzt fehlt noch eine letzte Genehmigung. Denn die chronisch klamme Stadt Essen muss ihre Bürgschaftspläne bei der Bezirksregierung Düsseldorf abnicken lassen. Deren Zustimmung gilt nach Meinung der Beteiligten aber als Formsache.

Und alles andere würde die Messe Essen in ihrer Existenz gefährden. Zwar ist das operative Geschäft mit namhaften Veranstaltungen wie IPM, Security und E-World profitabel. Hohe Abschreibungen und Zinsen sorgen aber regelmäßig für hohe Verluste. Die Eigenkapitalquote ist daher auf ein bedrohliches Maß zusammengeschrumpft. Geschäftsführer Thorwirth erinnert die Politik daher an ihre Verantwortung für die Region: "Durch die verbesserte Infrastruktur wird die Messe Essen auch in Zukunft ihre Wettbewerbsposition halten und ausbauen können - und dies nicht nur zum Wohle von Ausstellern und Besuchern, sondern auch der Stadt und der Region." Denn laut einer Studie des Ifo-Instituts hängen dort in einem durchschnittlichen Messejahr fast 7000 Arbeitsplätze von der Messe Essen ab.

 

/ Carsten Dierig

Aus der Tageszeitung „Die WELT“ vom 06.12.2011