Alter Bekannter (Signale 59-80)

Das aktuelle Coverbild

Schrader-Typen-Chronik Wartburg 311 / 313 / 1000

Als ich vor einigen Monaten auf der Suche nach einem guten Foto eines Wartburg-311-Typenschilds im Netz herum suchte, wurde ich tatsächlich fündig. Das allein ist weder verwunderlich noch erzählenswert.

Aufmerksam wurde ich jedoch bei genauerer Betrachtung des Typenschilds. „Wartburg 311-108…1963.“ um Das Schild herum so ein wenig champagnerfarbiger Lack und auch die Karosserienummer kam mir irgendwie bekannt vor.

Da hatte tatsächlich jemand bei einem Wartburg-Treffen unsere OMA fotografiert und die fünf Bilder aus dieser Serie bei Wikipedia eingestellt! Eines dieser fünf Fotos zeigte die komplette OMA in voller Fahrt. Am Steuer saß Dirk Flach und nun wurde auch klar, bei welcher Gelegenheit diese Bilder entstanden: Die Food-Rallye in Neuwied war es. Das war eine nette Überraschung, mehr aber nicht. Wer sein Auto ausfährt, wird wahrgenommen und auch einmal fotografiert.

Als dann Ende Dezember der Frühjahrskatalog der Paul Pietsch Verlage bei mir eintraf und ich ihn - auf der Suche nach IFA-Publikationen - durchblätterte, hatte ich dieses Erlebnis schon längst wieder vergessen. Doch plötzlich staunte ich nicht schlecht: auf der für April 2014 angekündigten Schrader-Typen-Chronik Wartburg 311 / 313 / 1000 war  doch tatsächlich unser Wartburg abgebildet! Eines der Fotos aus Wikipedia und auch noch das mit Dirk am Steuer!

Ich muss schon sagen, dass ich sehr darauf gespannt war, wofür unsere OMA das Covergirl sein sollte. Deshalb war die Freude riesengroß als das Buch endlich in meinen Händen lag. Sogar noch fast 2 Monate vor dem angekündigten Termin.

Ja und wie ist sie nun diese Schrader-Typen-Chronik zum Wartburg der Baujahre 1956 - 1965?

Wer den Wartburg 311, seine Technik, sein Aussehen und seine Geschichte verstehen will muss sich mit den Folgen des nur wenige Jahre zuvor beendeten II. Weltkrieges und seiner Folgen beschäftigen.

Der Wartburg stammt aus Eisenach, einem der drei ältesten Automobilfabrikationsorte Deutschlands. Der Name Wartburg schmückte bereits 1898 die Produkte der Fahrzeugfabrik Eisenach. Nach dem Krieg sah die staatlich gelenkte VVB Automobilbau keinen Platz mehr für große Blech– und Spritfresser, wie sie in Eisenach auch nach 1945 wieder gebaut wurden. Die Motorisierung der Massen sollte mit Kleinwagen erfolgen - die Geburtsstunde des Trabant in Sachsen rückte näher. In Zwickau musste die Vorkriegskonstruktion des DKW F9 einer modernen Kleinwagenfertigung weichen. Was lag da näher, als den F9 nach Eisenach umzusiedeln und den dort gebauten großen EMW 340 einzustellen?

Das war die offizielle Richtung und Eisenach musste plötzlich einen  Kleinwagen mit nur zwei Türen, fast keinem Kofferraum und nur einem „halben“ Motor produzieren. Mit großer Verschwiegenheit wurde deshalb auf Basis dieses Fremdlings ein nahezu typisches Eisenacher Automobil konstruiert: der EMW 311. Der hatte wieder vier Türen, einen reisetauglichen Kofferraum und sollte in absehbarer Zeit statt des kleinen Dreizylinder-Zweitakt-Motors wieder einen „richtigen“ Motor erhalten. Wenn es auch kein Sechszylinder mehr werden durfte, ein Viertakter sollte es schon werden.

Aus diesem Grund war das als „Wartburg 311“ bezeichnete neue Fahrzeug - als es ab 1956 zu den Kunden rollte - eine Mischung aus sächsischer Technik und thüringer Verständnis von Kraftfahrzeugen.

Deshalb verwundert es auch nicht, dass Frank Rönicke in dem hier vorliegenden Buch auch mit der Vorgeschichte der DKW-Typen bis zum F9 einsteigt.

Der Umzug des DKW nach Eisenach und seine Evolution vom EMW 309 zum EMW/Wartburg 311 werden auf den ersten Seiten dieser Typenchronik thematisiert.

Darüberhinaus beschäftigt sich das Buch mit der Varianten-Vielfalt des Wartburg 311 und seinem Einsatz im Motorsport. Zum Abschluss wird noch die Rolle des frühen Wartburg als Oldtimer beleuchtet.

Die letzten Seiten des Buches sind technischen und produktionstechnischen Daten vorbehalten.

Wer die beiden Abbildungen auf dieser Doppelseite vergleicht wird leicht feststellen können, dass es bei Autor und/oder Verlag scheinbar ein paar Unstimmigkeiten im Vorfeld gab. Vielleicht bedeutet es aber auch, dass demnächst auch noch eine separate Schrader-Typen-Chronik für den Wartburg 312 geben wird...

Alles in allem eine typische Schrader-Typen-Chronik: Fast durchgängig farbig illustriert. Dazu wie immer mit zeitgenössischen Bildern aus Prospekten und ähnlichen Veröffentlichungen, die jeder Fan sicherlich schon irgendwo einmal gesehen haben dürfte.

Wenig Text auf einer überschaubaren Anzahl Seiten. Und doch eine gute Wahl für alle, die einen kurzen Abriss zum Typ erhalten möchten, oder die sich immer wieder gern an den schönen Abbildungen erfreuen.

Fazit: Der Inhalt bietet dem Kenner kaum Überraschungen ist aber solide gemacht und erfreut in jedem Fall das Auge. -> Kaufempfehlung.

Frank Rönicke

Wartburg 311 / 313 / 1000

Schrader-Typen-Chronik

 

ISBN: 3613036304

Motorbuch-Verlag

gebunden, 96 Seiten, viele Farbbilder

Erschienen: 02/2014

Preis: 9.95 €

Verworfener Buchtitel