Im Guten Glauben... (Signale 63-84)

Der Papst betritt sein Hotel...

...zum nächsten Parteitag - Das war unser Motto auf der diesjährigen Techno Classica in Essen

Die Tore der 27. Techno Classica Essen haben sich am Sonntag, den 19. April 2015 um 18:00 Uhr geschlossen. Hinter uns liegt wieder eine anstrengende, aber vor allem eine schöne Zeit! Als echtes Team haben wir einen schönen und interessanten Stand aufgebaut. "Der Papst besucht die Lutherstadt Eisenach" war zwar ein fiktives, aber doch überraschend dicht an der Wahrheit verortetes Thema.

Aufmerksamkeit war enorm. Der Zuspruch durch die Besucher durchweg positiv. Wir hatten uns auch sehr darum bemüht, das augenzwinkernd angedachte Thema nicht ins Lächerliche zu ziehen.

Immer wieder fragten uns Besucher, wie es denn sein könne, dass sie von diesem Ereignis nichts mitbekommen hätten...

Wir haben dann sofort zugegeben, dass man (damals wie heute) leider nicht alles glauben kann, nur weil es in der Zeitung steht.

 

Das TV-Team

Unser Messestand thematisierte den fiktiven Besuch des Oberhauptes der katholischen Kirche in Eisenach.

Der Papst auf unserem Stand war mit einem elegant gestreckten Wartburg 353 vor der Tür eines Sternehotels vorgefahren, sein Gepäck wurde soeben ausgeladen, die Volkspolizei mit zwei MZ hielt das Geschehen im Auge. Auch das Fernsehen der DDR war vor Ort. Vermutlich ging es um einen Beitrag für die Aktuelle Kamera des selben Tages...

Grundsätzlich lebte die Szene von den Gegensätzen

•(katholischer) Papst und (evangelischer "Spalter") Luther

•Der (eben nicht als DDR-Freund bekannte) Papst besucht die DDR

•die katholische Kirche gratuliert zum Lutherjahr

•Der Papst nutzt einen Stretch-Wartburg

 

Der Papst betritt das HotelSoweit die Szene. Was daran war aber nun Wahrheit und was haben wir hinzu erfunden?

Der Papst betritt das Hotel. Soweit die Szene. Was daran war aber nun Wahrheit und was haben wir hinzu erfunden?

Gleich zum ersten Punkt muss richtig gestellt werden: Luther war von Anfang bis Ende seines Lebens niemals evangelisch. Damit war der erste Gegensatz schon mal keiner.

Papst Johannes Paul II. galt als Sympathisant der Solidarnosc-Bewegung, die der Staatsraison der DDR zuwiderlief. Eine offizielle Anerkennung der DDR durch den Vatikan galt als sehr problematisch und wurde auch von Mitgliedern der katholischen Kirche in der DDR nicht gewünscht. Trotzdem gab es einen Besuch von Erich Honecker im Vatikan und einen offiziellen Empfang durch den Papst im Jahr 1985.

Hierbei wurde eine Einladung der DDR-Staatsführung für einen offiziellen Staatsbesuch des Papstes in der DDR ausgesprochen.

Der geplante Termin dieses Besuches wäre im Juli 1991 gewesen. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwar noch den Papst, jedoch die DDR war von der politischen Landkarte verschwunden.

Es darf darüber spekuliert werden, wie innig das Verhältnis der katholischen Kirche zur evangelischen heute ist. Vermutlich gäbe es jedoch keinen Anlass für den Papst zu einer Feierlichkeit anlässlich des Luthergeburtstages ausgerechnet nach Eisenach zu kommen. Hier hatte sich Luther auf der Wartburg versteckt.

Allerdings brachte uns diese Episode näher an unser Hobby rund um Autos - eben auch aus Eisenach.

Außerdem haben wir das Ereignis ins Jahr 1983 verlegt - dem echten Lutherjahr aus Anlass des 500. Geburtstages des Reformators.

Wie man oben nachlesen kann, war der Besuch Honeckers im Vatikan erst 2 Jahre später, der Gegenbesuch hätte 8 Jahre später stattgefunden.

Ja und nun zum Auto: Falls Der Papst tatsächlich in die DDR, vielleicht sogar nach Eisenach gekommen wäre, hätte er leider niemals mit der schicken Stretchlimousine des Wartburg 353 auf unserem Stand fahren können.

Das Auto wurde 1979 gebaut, aber erst 2010 wurde es zum "Stretch". Außerdem ließ sich die Elite der DDR und auch deren Gäste kaum dazu herab im ungeschützten Wartburg zu fahren. Staatslimousinen mussten von Volvo oder Citroen sein.

Auch die Eskorte unseres Papstes hält einer näheren Betrachtung nur schwer stand: Es waren keine Eskort-MZ, sondern VP-Kräder. Allerdings hätten beide Fahrzeuge 1983 tatsächlich fahren können.

Abenteuerlicher mutet dagegen unser Fernsehteam an. Der Wartburg 1.3 war 1983 noch nicht mal in den Gedanken irgend eines Ingenieurs aus Eisenach vorhanden.

Die Beschriftung mit DEFA und Rundfunk der DDR war ein weiteres Indiz für die nicht ganz ernst gemeinte Ausstellung auf unserem Stand.

Auch das Equipment war eher etwas spärlich und für Fernsehaufnahmen nicht geeignet.

 

Unser Konsum "Schnelle Ecke"

Trotzdem sah der Stand prima aus. Das Publikum war angetan und die Clubjury bedachte uns mit einem wunderbaren 8. Platz in der Clubstandswertung.

Es hat Spaß gemacht und wir bereiten jetzt schon wieder die nächste Messe vor.

Vielen Dank an Alle, die sich

auch in diesem Jahr wieder mächtig ins Zeug gelegt haben. Danke an Enrico Martin, der uns den Wartburg nicht nur zur Verfügung stellte, sondern auch gleich noch lieferte und wieder abholte. Darüber hinaus hat er uns auch noch fast die ganze Messezeit auf dem Stand unterstützt. Das war super und hat Spaß gemacht.

Danke an Olaf Heinecken, der eine der Eskorte-Maschinen aus Sachsen mitbrachte und sie wieder zurück fuhr.

Danke an Martin Völz, der die andere MZ besorgt und geliefert hat. Die Motorräder waren die am häufigsten fotografierten Objekte auf dem Stand.

Danke an Dirk Köhne, der uns den zweiten Wartburg brachte und der damit auch unser, im letzten Jahr leider verstorbenes, Gründungs– und Ehrenmitglied Helmut Neumann noch einmal zur Techno Classica brachte. Von Helmut, dem die TC immer sehr am Herzen lag und er viele Jahre auf der Messe aktiv war, hatte Dirk das Auto gekauft.

Vielen Dank an Jochen Graeve, der unermüdlich durch die Gegend fuhr und Material besorgte, ohne das unser Stand niemals fertig geworden wäre.

Jochen hat unseren Stand mit einer großzügigen Spende unterstützt. Auch dafür ein herzliches Dankeschön!

Vielen Dank an Jürgen Wollhofer, der wieder mit Tatkraft und professionellem Equipment für den reibungslosen Aufbau sorgte.

Vielen Dank an alle Helfer, Standbetreuer und auch an alle (moralischen) Unterstützer.

Vielen Dank an Alle, die hier nicht genannt wurde. Ihr seid nicht vergessen und alle in dieses große Danke eingeschlossen. Es waren schöne Tage in Essen.

Wieder einmal unglaublich anstrengend, aber wieder einmal auch mit unglaublich viel Spaß.

Wir haben uns als eine starke Gemeinschaft präsentiert, die auf einen Termin hin planen und diese Planungen auch umsetzen kann.