Abgesang (Signale 64-85)

MZ-Werk in Hohndorf 2014

Auf eine große Zweiradgeschichte

Als  Jørgen Skafte Rasmussen, ein  Ingenieur aus Dänemark, um 1906 die stillgelegte Barth‘sche Tuchfabrik in Zschopau kaufte, ahnte er sicherlich noch nicht, welche langanhaltende Erfolgsgeschichte damit ihren Anfang nahm.

Bereits wenige Jahre später verlagerte er den Produktionsschwerpunkt von Haushaltsgeräten und Kfz-Zubehör in Richtung eines Fahrrad-Hilfsmotors. Ab 1922 begann man in Zschopau mit der Serienproduktion von motorisierten Zweirädern. Die Produktion und die Produkte blieben stets innovativ und erfreuten sich eines großen Zuspruchs. Die Zschopauer Maschinenfabrik J.S. Rasmussen nutzte zum Beispiel als erstes Unternehmen die Fließbandproduktion für die Herstellung von Motorrädern.

Unter dem Markenzeichen DKW übernahm das Unternehmen 1928 die Audiwerke Zwickau und wurde 1932 Teil der neu gegründeten Auto Union. Zu dieser Zeit zählte Zschopau zu den größten Motorradproduzenten der Welt. Allein 1929 verließen 60.000 Fahrzeuge die Hallen.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam auch das Ende für DKW in Zschopau. Die seinerzeit modernen Produktionsanlagen wurden 1946-1947 demontiert und im russischen Ischewsk  im Gebiet der Wolga wieder aufgebaut.

Erst ab 1950 begann das zweite Kapitel des Zschopauer Fahrzeugbaus. Die legendäre RT 125 wurde vorgestellt. Das auf einer Vorkriegsentwicklung basierende Motorrad wurde, wegen ständiger Materialknappheit, in viel zu geringen Mengen produziert.

Die folgenden Jahre sahen die später MZ genannten Fahrzeuge in Bestform. Nur politische Einflussnahmen konnten in den 1960er Jahren verhindern, das MZ Markenweltmeister wurde.

Am 18. Dezember 1991 endete jedoch auch dieses Kapitel. Die osteuropäischen Märkte brachen ein und MZ, erst 1990 privatisiert, musste in Konkurs gehen.

Die Patente für die ETZ-Modelle wurden in die Türkei verkauft.

1993 verließ das Nachfolgeunternehmen MuZ den historischen Standort an der Neuen Marienburger Straße und siedelte nach Hohndorf um. Dort befand sich zu DDR-Zeiten die Zylinderschleiferei. Nun wurde hier, sehr viel kleiner, neu gebaut. Ab 1999 nannte sich das Unternehmen auch wieder MZ.

Der Rest der Geschichte ist leider schnell erzählt. Auch die Zusammenarbeit mit Hong Leong endete mit Entlassungen und der Schließung des Werkes. Hong Leong verkündete 2008, einen Verlust von 70 Millionen Euro mit MZ eingefahren zu haben.

Ab 2009 endlich wieder neue Hoffnung: Ralf Waldmann und Martin Wimmer kauften das mittlerweile vollkommen herunter gewirtschaftete Werk. Doch weder eine umfangreiche Landesbürgschaft, noch sportliche Erfolge konnten verhindern, dass MZ 2012 wieder einen Insolvenzantrag stellen musste.

Trotz intensiver Bemühungen und einem großen Interessentenkreis konnte 2013 keine Lösung für das Werk gefunden werden. Es schloss endgültig seine Tore.

Bei einem Besuch 2014 entstanden die Aufnahmen zu diesem Text an den Standorten Neue Marienberger Straße und Alte Marienberger Straße.

 

/ Stephan Uske