Haupttor-Historie (Signale 64-85)

Das Eisenacher Automobilwerk noch ganz ohne Torgebäude

Die Fahrzeugfabrik Eisenach (FFE), gegründet 1896, war die dritte Fahrzeugfabrik Deutschlands, in der serienmäßig Automobile hergestellt wurden. Ein Torgebäude besaß sie damals allerdings noch nicht.

Das stattliche Hauptgebäude des Werkes an der Rennbahn (Aufnahme von 1927)

Im Jahr 1904 gab die Fahrzeugfabrik Eisenach den Markennamen Wartburg auf.

Es entstanden eigene Neukonstruktionen mit dem neuen Markennamen Dixi (lat.: "Ich habe gesprochen"). Dixi-Automobile zählten bald zu den renommiertesten Wagen; der wirtschaftliche Erfolg hielt an.

Nur ein repräsentatives Haupttor

fehlte …

 

 


Alpenfahrt 1929 mit Fabrikdirektor Leonhard C. Grass (3.v.r.) vor dem Eisenacher BMW-Werk

Der Motorrad- und Flugmotorenhersteller BMW wollte gegen Ende der 1920er Jahre in die Automobilproduktion einsteigen und kaufte die Fahrzeugfabrik Eisenach. Als "BMW Zweigniederlassung Eisenach" endete 1928 die Selbstständigkeit und damit später die bekannte Marke "Dixi", nicht jedoch der Erfolg: Es wurden bis 1941 neben anderen Typen auch elegante und erfolgreiche Sportwagen wie der BMW 328 hergestellt. Das Werksgelände wurde massiv erweitert, neue Gebäude entstanden.

Aber immer noch kein Haupttor …

 

 

 


Torhaus der Flugmotoren-Fabrik Eisenach/Dürrhof (FFE) Abriss unter Leitung der Russischen Besatzungsmacht (1945/1947)

Außerdem wurden in Eisenach seit 1937 von der neu gegründeten "BMW Flugmotorenfabrik Eisenach GmbH" in einem Werksneubau Flugzeugmotoren gefertigt. Dieses sogenannte Waldwerk lag nahe am ehemaligen Herrensitz "Dürrer Hof" außerhalb Eisenachs. Da das Flugmotorenwerk ein Rüstungsbetrieb war, wurde es 1945 beschlagnahmt, demontiert und im Jahr 1946 auf Befehl der Sowjets gesprengt. Das Torhaus wurde auch abgerissen ...

 

 

 

 


Torhausaufbau im Hauptwerk Eisenach Wiederaufbau nahezu im Original aus Abrissmaterial (1948/1949)

… und als Haupteingangstor zum Automobilwerk wieder aufgebaut. In der Architektur folgt es dem Vorbild des Tores der "Bayrischen Motorenwerke AG" in München und weist Gestaltungsmerkmale der späten 1920-er und frühen 1930-er Jahre auf (klare, geometrische Formgebung und strenge Harmonie.  Die Funktion eines Gebäudes in dieser Zeit sollte grundsätzlich dessen Form bestimmen = Funktionalismus).

 

 

 

 


Das Torhaus nach dem Wiederaufbau des Hauptwerks als AWTOWELO - Werk BMW Eisenach (1952)

Die Fahrzeugfabrik Eisenach wurde ab 1946 zunächst als Sowjetische Aktiengesellschaft AWTOWELO weitergeführt. 1952 wurde den Eisenachern das Führen des Namens BMW gerichtlich untersagt. Nach der Rückgabe aus der sowjetischen Verwaltung wurde das Werk von der DDR verstaatlicht und zunächst in Eisenacher Motorenwerk (EMW) umbenannt.

 

 

 

 

 


Tor und Werkseingang während der DDR-Zeit (1980er Jahre)

1953 erhielt das Werk den endgültigen Namen VEB Automobilwerk Eisenach mit dem bekannten Kürzel AWE. Autos wurden in Eisenach weiter produziert: Zunächst liefen noch einige Zeit die alten BMW-Modelle weiter. Dann kam der Zwickauer IFA F9, 1955 der „Wartburg“ Typ 311 und das Nachfolgemodell Wartburg 353. Im Haupttor waren während der DDR-Zeit die Kaderabteilung, der Betriebsschutz, die Anmeldung und der Besucherraum des Werkes untergebracht. Baulich wurde am Tor nicht viel verändert.

 

 

 

 

 


Aufnahme des Werksgeländes mit Haupttor (1995) Foto: Stadtarchiv Eisenach

Gefahr drohte dem Gebäude erst wieder nach der Wiedervereinigung. Als die ostdeutsche Industrie und die Nachfrage nach dem Wartburg 1.3 zusammengebrochen war, kam auch das Aus für das AWE mit seinen technisch überholten Produktionsmethoden und Produkten. Mitte der 1990er-Jahre wurde das AWE-Gelände in der Innenstadt zu weiten Teilen planmäßig abgerissen und das Gelände für eine Neubebauung vorbereitet.

 

 

 

 


Das restaurierte Haupttor

Das Haupttor jedoch konnte vor dem Abriss bewahrt und saniert werden und ist heute Sitz der Stiftung Automobile Welt Eisenach. Gemeinsam mit 3 weiteren Gebäuden des alten Werkes wurde es mit der Begründung eines Industriedenkmalkomplexes unter Denkmalschutz gestellt. Im sog. Gebäude O2 in unmittelbarer Nähe befindet sich das sehenswerte Automobilmuseum.

Das Haupttor mit seiner strengen und doch majestätischen Architektur vermittelt heute wieder den Besuchern einen ersten Eindruck vom über 100jährigen Schaffen und dem Stolz der Automobilbauer in Eisenach.

 

 

 

 


/ Monika Duphorn