Die Rassmusen-Villa in Zschopau (Signale 66-87)

wirkt heute wie ein verwunschenes Märchenschloss: Die Rassmussen-Villa in Zschopau

Haiko Both durfte den Wohnsitz des DKW-Gründers besuchen

Da ich mehrmals im Jahr in Zschopau bin, meine Firma befindet sich im alten DKW/MZ- Werk, habe ich im vergangenen Sommer einige DKW- historische Plätze besucht.

So zum Beispiel das Schloss Wildeck (die Signale-Ausgabe Winter 2015 berichtete bereits), die DKW-Siedlung und die Rassmussen- Villa.

Der Zustand des Hauses verlangt fast grenzenlosen Optimismus vom heutigen BesitzerDer Däne Jörgen Skafte Rassmussen war der Gründer der Firma DKW. Er kam 1907 nach Zschopau und kaufte eine stillgelegte Tuchfabrik im Tischautal. In der Folge entstand dort das DKW- Werk. Etwas oberhalb des Werkes baute er 1917 seinen Wohnsitz.

Nachdem ich auf der Bundesstraße 174 oft an der Rassmussen-Villa vorbeigefahren war, wollte ich sie mir mal ansehen. Also parkte ich an einem Samstag im August in der sogenannten „Radkappenkurve“ mein Auto und ging über die Straße, um ein Foto zu machen. Dabei traf ich auf den Besitzer. Es ist ein junger Mann aus Norddeutschland. Er hatte 2014  das Anwesen nach jahrzehntelangem Leerstand gekauft. Da er mein Interesse bemerkte, lud er mich ausnahmsweise für den nächsten Tag ein, die Villa zu besichtigen.

 

Am folgenden Nachmittag gab er mir eine private „Führung“ durch das Gelände und durch das Haus. Hierbei erfuhr ich wesentliche Dinge aus der Geschichte. Rasmussen hatte nahezu das ganze Tischautal gekauft. Etwa in der Mitte entstand die Villa.

Er ließ das Bächlein Tischau drei Mal anstauen und legte unterhalb der Villa einen Gondelteich an. Hinter dem Haus entstand ein Garten mit Gewächshäusern. Einige der alten Bäume und Sträucher sind noch vorhanden, allerdings ist der Garten total verwildert. Weiterhin gab es einen Pfad, welcher durch den Wald am Bach entlang zum DKW-Werk führte.

 

Der heutige Besitzer hat den Wald ausgeholzt und vom Unrat befreit. Er will versuchen, die Landschaft etwa in den Stand von Rasmussens Zeit  zu versetzen. Dazu wird noch sehr viel Arbeit nötig sein.

Die Villa selbst hatte eine wechselvolle Geschichte. Der Ingenieur Hugo Ruppe experimentierte im Erdgeschoß an seinen kleinen Motoren. Hier wurde tatsächlich der DKW 2-Takt Motor geboren.

 

Ein Teil des Hauses ist bereits bewohnbarAdolf Hitler hatte einmal in der Villa übernachtet.

Nach Kriegsende, Rassmussen war 1938 nach Scarow bei Potsdam gezogen und 1947 nach Dänemark gegangen und enteignet worden, wurden Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten einquartiert. Danach richtete man einen sogenannten Jugendwerkhof ein. Die darin wohnenden, angeblich schwer-erziehbaren jungen Menschen mussten im Motorradwerk arbeiten. Wenn einer sich etwas zu Schulden kommen ließ, wurde er im Keller der Villa einer „Sonderbehandlung“ unterzogen. Bei den Aufräumarbeiten im Kellergeschoß fand der jetzige Besitzer hinter einer nachträglich aufgemauerten Wand, Handfesseln aus Metall, die in die Wände eingelassen waren.

 

Später zog die Stasi in das Haus. Die mit Holz abgedeckten Seiten des Türmchens auf dem Dach sollten die Antennen der Abhörtechnik verbergen. Einige dieser Holzverblendungen sind noch heute zu sehen. Mit der Stasi war auch eine rigorose „Umgestaltung“ des Gartens verbunden. Mit schwerer Technik schob man die Gewächshäuser in den Wald in Richtung des Flüsschens Tischau. Der Schutt liegt heute noch dort. Aus Holz wurden Überdachungen für die Dienstfahrzeuge gebaut. Einer dieser Schuppen ist zum Teil noch vorhanden.

 

Der Rassmussen-Wohnsitz war und ist  ein repräsentatives AnwesenDie Villa selbst wurde äußerlich und im Inneren ebenfalls umgestaltet. Das Ziegeldach wurde abgetragen und durch ein Schieferdach ersetzt. Einige der roten Biberschwänze findet man heute als Einfassung der Eingangstür unterhalb der Durchfahrt. Das Wohnzimmer wurde mit dunklem Holz vertäfelt. Über die Zeit ohne Bewohner ist aus der Villa einiges „verloren“ gegangen. Nahezu die gesamte Wandvertäfelung des Speisesaales wurde entwendet. Der rote Kamin im Speisesaal wurde zum Teil demontiert und seine  Steine waren mit Nummern versehen, als der heutige Besitzer die Villa übernahm. Er hat ihn wieder aufgebaut. In weiteren Zimmern liegen Teile der Einrichtung verstreut herum. Auch eine alte Säulenbohrmaschine und eine teilweise demontierte alte Drehbank habe ich dort gesehen. Auf diesen Maschinen hatte wohl Hugo Ruppe Einzelteile für seine Motoren gefertigt.

 

Der heutige Besitzer wohnt in der Villa, welche unter Denkmalschutz steht. Er hat mir alte Fotos aus der Zeit gezeigt, in der Rasmussen dort wohnte. Zur Zeit nutzt er das ehemalige Wohnzimmer, welches noch recht gut erhalten ist und einige andere Räume.

Er will aber versuchen, das Haus so herzurichten, dass es vorzeigbar ist. Dazu hat er einige Zimmer vom Schutt beräumt und renoviert. Wasser, Elektrik und Heizung mussten komplett erneuert werden. In einigen Zimmern mussten neue Böden eingezogen werden. Das Dach wurde an vielen Stellen abgedichtet.

 

An den bisher jährlich stattfindenden Tagen des offenen Denkmals, konnten Besucher die Villa besichtigen. Der Besitzer will das weiterhin so halten, um auf diesem Wege einige Spenden einzusammeln, die er für die Renovierung braucht.

 


 

Titelbild: wirkt heute wie ein verwunschenes Märchenschloss: Die Rassmussen-Villa in Zschopau

Bild 1: Der Zustand des Hauses verlangt fast grenzenlosen Optimismus vom heutigen Besitzer

Bild 2: Ein Teil des Hauses ist bereits bewohnbar

Bild 3: Der Rassmussen-Wohnsitz war und ist  ein repräsentatives Anwesen