Gustav Ehrhardt (Signale 69-90)

Heinrich Ehrhardt - Foto: Archiv Matthias Doht

Über die Anfangszeit der Eisenacher Automobilproduktion

Gustav Ehrhardt - wer ist denn das nun wieder? Wer sich mit der Geschichte der Eisenacher Fahrzeugproduktion auseinandersetzt kommt am Namen Ehrhard nicht vorbei. Allerdings wird hier immer der Name Heinrich Ehrhardt erwähnt.

Heinrich Ehrhardt, der zweite große Kanonenkönig des späten Deutschen Kaiserreichs nach Krupp, ist auch tatsächlich der Treiber und einer der Gründer der Fahrzeugfabrik Eisenach.

 

Über genau diese Anfangszeit der Industrialisierung Eisenachs hat Matthias Doht viele Jahre intensiv recherchiert.

Vieles wurde schon geschrieben über die Historie des Werkes, jedoch lag die Konzentration häufig auf dem Zeitraum nach der Übernahme durch BMW bzw. auf der Zeit nach dem 2. Weltkrieg.

 

Kaum jemand befasste sich intensiver mit der Situation und den Gründen, die zur Gründung der FFE führten und die dafür sorgten, dass aus der angedachten Kriegsproduktion eine Fahrzeugfabrikation wurde.

 

Schnell stellte sich im Rahmen von Matthias Dohts Recherchen heraus, dass Heinrich Ehrhardts Name zu Recht in den Gründungsunterlagen der FFE aufgeführt wurde. Ebenso schnell kam jedoch zu Tage, dass für die konkrete Entwicklung des Werkes hin zu einem der ersten deutschen Kraftfahrzeug-Hersteller vor allem Ehrhardts Sohn Gustav verantwortlich war.

 

Konsequent zeichnet der Autor deshalb einen Bogen von den absoluten Anfängen der motorisierten Mobilität, über die schwere und freudlose Kindheit des Ludwig Ehrhardt in Thüringen, seinem beruflichen Aufstieg hin zu einem der mächtigsten Industriellen mit detailliertem Wissen über Material-physikalische, technische und kommerzielle Aspekte des Industrialisierungszeitalters in Deutschland.

Nach Heinrich Ehrhardts Vorstellungen jedoch, war Eisenach der Produktionsstandort für (militärisch, aber auch zivil genutzte) Fahrräder und anderes Kriegsgerät.

 

Der durch seinen Vater als Betriebsleiter eingesetzte Gustav hatte während seines langjährigen Aufenthaltes in den USA großes Interesse an motorgetriebenen Kraftfahrzeugen gewonnen und überzeugte seinen Vater von der Zukunftsfähigkeit individueller, motorisierter Mobilität.

Das durchgehend sehr flüssig und unterhaltsam geschriebene Buch enthält sehr viele Fakten. Dabei löst es auch noch ganz nebenbei so manches Geheimnis.

So zum Beispiel die Gründe für die Wahl eines Fahrzeugs der französischen Marke Decauville als Lizenzprodukt für Eisenach. Oder auch, wie die Fahrzeuge zum Namen „Wartburg“ kamen. Und auch, das und warum man sich in der FFE sehr für Elektrofahrzeuge interessierte.

 

Nicht zuletzt zeichnet der Autor das Portrait eines heute weitgehend Unbekannten, dessen Leben erheblichen Einfluss auf unser heutiges Hobby hatte.

 

Matthias Doht rundet mit „Gustav Ehrhardt - der Autopionier in Eisenach“ das Geschichtsbild des Eisenacher Fahrzeugbaus hervorragend ab.

Sein Buch schließt jene eingangs erwähnte Lücke in der Geschichtsbetrachtung des Werkes mit einer immensen Faktendichte, vielen bislang unbekannten Abbildungen und einem sehr angenehmen Schreibstil. Dabei setzt der Autor die konkrete Eisenacher Geschichte in den Kontext der zeitgenössischen Fahrzeug– und Industrie-Entwicklung.

Matthias Doht ist durch sein jahrelanges Engagement für das Automobilbaumuseum und die Aufarbeitung der Eisenacher Historie sicherlich bestens bekannt. Auch als Autor einer Vielzahl von Artikeln in dieser Zeitschrift trat er in den letzten Jahren häufig in Erscheinung.

An dieser Stelle eine ganz klare Kaufempfehlung!

/ Stephan Uske

 


Matthias Doht

Gustav Ehrhardt
der Autopionier in Eisenach

208 Seiten, Hardcover

Nestler Top Cards

1.12.2016

ISBN: 978-3981315974

29,95€

im Automobilbaumuseum Eisenach erhältlich

 

Kommentare

Vielen Dank an Matthias Doht, der uns wissen ließ, dass unser Titelfoto leider nicht Gustav Ehrhardt, sondern seinen Vater Heinrich zeigt.

Die beiden haben sich in jungen Jahren sehr geähnelt.

Da das Foto in der Winter-Ausgabe 2016 so erschienen ist, haben wir es auch auf der Homepage so gelassen.