Erfolgserlebnis (Signale 69-90)

Stolz mit Pokal: Jonas und Oliver nach der Preisverleihung

Oldtimerrallye mit Kindern - geht das?

Am Samstagabend waren wir alle wirklich geschafft. Mutter, Vater und 2 Halbwüchsige hatten einen mehr als nur anstrengenden Tag hinter sich gebracht. Geschafft war sicher auch unser Auto. Ein über 50 Jahre alter Wartburg, der sich längst nicht mehr im Alltag beweisen muss und trotzdem mit jeder Ausfahrt immer ein wenig mehr Spaß macht.

 

Der Grund für diese Erschöpfung war eine Rallye. Richtig gelesen: Eine Sportveranstaltung mit einem uralten Auto ohne Gurte und Airbags und dann auch noch mit Kindern an Bord.

Das sollte man doch besser lassen! Oder?

 

Von vorn: Die Raiffeisen-Veteranenfahrt wird seit Jahrzehnten vom Motorsportclub Altenkirchen in Flammersfeld im Westerwald veranstaltet. In unserer letzten Ausgabe berichtete IFA-Kurier & Wartburg-Signale zum wiederholten Male davon.

Bei dieser echten Rallye geht es natürlich um Plätze und Ränge, um Pokale und Preise. Allerdings zählt hier nicht die gefahrene Höchst– oder Durchschnittsgeschwindigkeit. Es zählen fahrerisches Geschick, Durchhaltevermögen, Aufmerksamkeit, Allgemeinwissen und manch andere praktische Fähigkeit, die auch sonst den Alltag etwas erleichtert.

 

Am Ende zählen aber vor allem Spaß und Glück.

Beides gehört unbedingt dazu, wenn man eine touristische Rallye mit dem Oldtimer durchführen will.

Aber warum nun ausgerechnet mit Kindern? Ja warum denn ausgerechnet nicht?

 

Wenn, wie in unserem Falle die Liebe zum eigenen Oldi und zu anderen Oldis ganz allgemein gegeben ist, die Kinder auch mal 2 Stunden am Stück ohne Toilette und Ablenkungsmanöver á la moderner Autobahnfahrt im Auto sitzen können. Wenn sie bereit sind, mal früh aufzustehen und aufmerksam durch die Landschaft der eigenen Heimat zu fahren, sind sie bestens für eine Rallye in der Art der Raiffeisen-Veteranenfahrt gerüstet.

In unserem Falle traf das alles mehr als nur zu und so konnten wir alle vier bereits zum 2. Mal in Familienstärke an der Rallye durch den Westerwald teilnehmen.

Wer noch nie so eine Veranstaltung besucht hat, wird sich sicher fragen, wie es dort zu geht.

 

Hier die Fakten in Kürze:

Zur Raiffeisen-Veteranenfahrt (und sicher viele andere ähnliche Veranstaltungen im Land) muss man sich vorab schriftlich anmelden.

Gesetzliche Vorschriften sind einzuhalten und zu kennen.

So muss das Fahrzeug eine gültige Zulassung mit zugehöriger Versicherung haben und verkehrstauglich sein.

 

Die Startgebühr hängt vom Veranstalter ab. Im Falle unserer Heimrallye sind es moderate 60 €. Im Startpreis enthalten sind 2 Mahlzeiten, ein Rallyepaket (siehe weiter unten) und jede Menge Spaß.

Wer dann am Tag der Veranstaltung pünktlich vorfährt bekommt sein Rallyepaket ausgehändigt. Darin ist die Startnummer und ein Päckchen Gutscheine für die Mahlzeiten ebenso enthalten, wie eine Mappe mit Streckenführung und jeder Menge Aufgaben.

Diese Aufgaben sind zum Teil wirklich knifflig und ein Mitfahrerteam, das sich die Arbeit einteilt, hat deutliche Vorteile.

 

Wir haben das folgendermaßen gelöst: Stephan fährt, sieht nach den Schildern und Regeln und richtet sich nach den Anweisungen der besten Rallye-Copilotin von allen. Tanja sitzt auf dem Beifahrersitz, hat die Aufgaben– und Streckenbeschreibung auf einem Klemmbrett auf dem Schoß und gibt Anweisungen.

Jonas und Oliver sehen vom Rücksitz aus in die Landschaft und versuchen einen der teilweise echt versteckten Streckenpunkte aus dem Aufgabenteil zu entdecken.

 

Das erweiterte Team, in unserem Fall Dirk, sitzt in Bad Honnef gleichzeitig am Telefon und am PC und recherchiert mögliche Antworten oder Orte an denen Antworten zu finden sein könnten.

Zwischendurch und bevorzugt vor einer Pause gibt es einen Streckenposten des Veranstalters, der den Teams jeweils einen Stempel auf ihr Aufgabenblatt macht um zu verhindern, dass man bei anderen Teilnehmern abguckt.

Es sind schon harte Bandagen, aber schließlich geht es ja auch um den Sieg!

 

An den Pausenplätzen, meist schön gelegene Orte im Westerwald oder Siebengebirge darf man sich eine kurze Erholung gönnen. Dort lassen sich mit den Gutscheinen aus dem Rallyepaket Essen und Getränke organisieren.

Doch Pausen dürfen niemals zu lange dauern. Immer gibt es auch hier knifflige Aufgaben zu lösen. Schätz– oder Geschicklichkeitstests zum Beispiel.

 

Wohl dem, der ein motiviertes Team an seiner Seite hat. Ich brauchte in diesem Jahr keine einzige dieser Aufgaben zu lösen. Meine Mitfahrer brannten nur so darauf, die höchstmögliche Punktzahl für uns herauszuholen. Wer da glaubt, Kinder könnten das nicht irrt. Wer glaubt nur er allein kann alles am Besten irrt noch mehr. Wer den Ehrgeiz hat immer die allermeisten Punkte an jeder Station zu bekommen hat keinen Teamgeist und versteht keinen Spaß.

In diesem Sinne gaben unsere Kinder das Beste und wir alle haben uns prima amüsiert.

 

Zum Schluss besteht die letzte Aufgabe darin, die Lösungsmappe mit allen Unterlagen rechtzeitig am Start– und Zielpunkt in Flammersfeld wieder abzugeben. Natürlich gibt es auch hier ohne Fleiß keinen Preis. Vor der Abgabe ist noch einmal eine letzte Zusatzaufgabe zu lösen.

Wer jetzt noch ausreichend Reserven hat, kann am anschließend stattfindenden, traditionellen Haxenessen der Flammersfelder Feuerwehr teilnehmen.

Wir hatten diese Energie noch nie und so kam es zur Eingang beschriebenen Szene.

 

Allerdings war jede Müdigkeit sofort verflogen, als wir noch am selben Abend im Internet erfuhren, dass wir den 4. Platz belegt hätten und der ebenfalls mit einem Pokal ausgezeichnet werden würde.

Deshalb saßen wir am frühen Morgen des nächsten Tages schon wieder in der Oma und rollten die 20 km zurück nach Flammersfeld.

Dort wurden in einer feierlichen Runde die Preise vergeben und manche Anekdote zum Besten gegeben.

 

Wer sich anhand meiner Schilderungen nun immer noch nicht ganz klar darüber ist, ob so eine Veranstaltung etwas für sie oder ihn ist, sollte es dringend einmal ausprobieren. Zum einen ist die Auswahl entsprechender lokaler Aktivitäten immens und zum Anderen freuen wir uns in jedem Fall um weitere personelle Verstärkung des Ostfahrzeug-Pools auf der nächsten Raiffeisen-Veteranenfahrt in Flammersfeld. Auch 2017 wieder mit Kindern und viel Spaß.

Man sieht sich hoffentlich in Flammersfeld.

 

/ Stephan Uske