Historische Rennstrecke (Signale 70-91)

Bobby Kohlrausch mit seinem BMW-Wartburg Rennwagen

Als die Syburg der "Westfälische Nürburgring" war

Syburg. Der Reporter der ADAC-Motorwelt schien im Jahr 1927 verwundert, als er an der Hohensyburg stand: Motorrennen? Nicht anders ergeht es vielen, wenn heute von den früheren Hohensyburg-Rennen die Rede ist. Oder gar vom "Westfälischen Nürburgring". Eine Reise in die Zeit, als es auf der Syburg rund ging.

"Die stillen Ruhrberge sind sonst die Erholungsstätten vieler Tausender. Aber heut ist das Bergland unser Reich. Königin Maschine saust durch ihr Land", schreibt ein Reporter der ADAC-Motorwelt vor 75 Jahren euphorisch in seinem Bericht über das Rundstrecken-Rennen.

Heute kursieren unterschiedlichste Behauptungen in der Bevölkerung zur Streckenführung. Mal ist vom Hohensyburg-Rundstrecken-Rennen, vom Hohensyburg-Dreiecks-Rennen oder auch vom Hohensyburger Bergrennen die Rede.

 

Mehrere Strecken

Aber wo führte die Strecke genau her? Fast 90 Jahre sind seit dem ersten Rennen an der Hohensyburg vergangen. Zeitzeugen oder Zeugnisse, die die Rennen dokumentieren, sind selten.

Fündig wird man in Ratingen bei Düsseldorf. Dort lebt Thomas von der Bey, Enkel von August Wurring, der unter dem Namen AWD Motorräder herstellte. Er leitet eine große AWD-Sammlung. Der Motorsport-Spezialist ist auch im Besitz vieler Schwarz-Weiß-Fotos, Streckenplänen und Zeitungsartikeln von damals.

Diese dokumentieren detailliert die spektakulären Motorsportveranstaltungen. Der Ratinger erklärt, warum es heute so viele unterschiedliche Behauptungen zur Rennstrecke gibt. Der Grund: "Es gab drei unterschiedliche Rennen und Strecken", sagt er.

Die Rennen, die von 1925 bis 1937 stattgefunden hätten, führten bis 1932 durchs Herdecker Dreieck. Ab 1934 gingen die Rennen durch das Dreieck Garenfeld. So kam der Begriff Dreiecks-Rennen auf. 1936 und 1937 fanden zwei Bergrennen statt. "Dann ging es steil die Serpentinen an der Syburg hinauf."

Erste Versuche schon 1914
Ausgerichtet wurde das Rennen vom ADAC Gau Westfalen. Das erste Rennen in dieser Gegend soll bereits 1914 stattgefunden haben. Die Rennen ab 1925 fanden auf einer 14,8 Kilometer langen Strecke statt.

"Die waren der Regel für Wagen und Motorräder ausgeschrieben", sagt von der Bey. Die Rennen sorgten für Begeisterung, auch die Bedeutung stieg von Jahr zu Jahr. Reporter Joseph Rosemann schwärmte 1927 in der ADAC-Motorwelt: "Die bedeutendste kraftsportliche Veranstaltung Westfalens." Schön beschreibt Rosemann auch die Streckenführung, die alle erdenklichen Raffinessen aufweise.

100.000 Besucher kamen 1929

Zum einen sei sie landschaftlich sehr schön, findet Rosemann. "Vom Start, zur linken Hand ein Tal im herbstlichen Grün, erklimmt sie in einer fast Geraden den Hohensyburg-Bergrücken." Dann wende sie sich kurz hinter dem Gute Reichsmark durch eine scharfe Linkskurve im Gefälle mit weiteren scharfen Kurven der blühenden Wellinghofer Heide zu.

 

Weiter gehe es durch die Bittermark zur Provinzialstraße in Richtung Herdecke.
 

1929 besuchten rund 100.000 Menschen die Rennstrecke. Wegen der großen Zuschauerresonanz kam der Begriff "Westfälischer Nürburgring" auf. 1936 kamen immer noch 60 000 Menschen zu den Rennen. 1937 endete die Renn-Zeit der Syburger Serpentinen dennoch - vermutlich, weil sich keine Financiers mehr fanden.
 

Autor: Thilo Kortmann; eingesandt von Matthias Doht