Wiederauferstehung (Signale 70-91)

Ein Ziel braucht der Mensch! Und so könnte sie vielleicht mal wieder aussehen, die MZ TS 150 de luxe. - https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c6/MZ_TS150_Pol.jpg

Eine Emme kämpft sich zurück ins Leben

Als die Baureihe TS im Juni 1973 in die Läden des IFA-Vertriebs rollte, ahnte ganz sicher noch niemand, dass gerade diese Baureihe die am längsten gebaute MZ werden sollte.

 

Die kleine TS (Telegabel-Schwinge) wurde immerhin bis in den August 1985 gebaut und erst dann von der eigenwillig designten ETZ 150 abgelöst.

Wenn dieses Fahrzeug auch die Eleganz seiner Vorgängerin ETS etwas vermissen ließ, so war die TS ein grundsolides, praktisches und überwiegend zuverlässiges Zweirad.

 

Als ich im Herbst 2016 von Dirk Köhne angesprochen wurde, ob ich nicht Interesse an ein paar Kisten habe, die—zumindest mit etwas Phantasie– eine MZ TS 150 enthielten, war ich etwas unschlüssig.

Auch 6 Jahre nach dem Einzug in unser Einfamilienhaus waren wir noch immer nicht ganz fertig. So fehlte uns unter anderem eine Garage. Seit dem Umzug ins neue Haus hat meine ETZ 250 Asyl bei Miriam und Dirk Flach erhalten. Ein Zustand, der auch nicht ewig anhalten sollte. Wohin also mit noch einer Emme?

 

Andererseits war die Aussicht auf ein Schwesterexemplar meiner allerersten eigenen MZ aber doch zu verlockend.

Außerdem könnte ich vielleicht meine beiden Söhne dazu bewegen, die Computermaus einfach mal gegen einen Schraubenschlüssel einzutauschen und so vielleicht etwas mehr Begeisterung für die reale Welt in ihnen wecken…

Leider ließ sich das Garagenproblem nicht zufriedenstellend lösen.

 

Ein einziges Angebot war fast inakzeptabel schwierig zu erreichen und ansonsten braucht auf dem Land scheinbar jeder seinen Platz für sich.

Da Dirk die MZ aber unbedingt los werden musste und alternativ eine Verschrottung angedacht wurde, warf ich alle Bedenken über Bord und in einer kühlen Nacht im Januar 2017 wurden, in einer ebenso verschwiegenen wie verschlafenen Seitenstraße in einem Essener Randbezirk, ein paar Kisten und das Fragment einer MZ TS in unseren Anhänger umgeladen.

 

Erst am nächsten Tag und im Tageslicht schauten wir uns unseren Fang genauer an: Im Wesentlichen schienen alle großen Teile vorhanden zu sein.

 

Die für 1996 geplante Überholung der TS nach hartem Alltagseinsatz war seinerzeit leider in der Demontage stecken geblieben.

Da aber die Zschopauer Konstrukteure aber gleichermaßen genügsame wie robuste Fahrzeuge entwickelt hatten, erschien der Wiederaufbau durchführbar.

 

Die Restaurierung begann mit der Suche nach dem notwendigen theoretischen Unterbau.

Der Nachdruck aller „Ich fahre eine MZ“-Bücher des Schrader-Verlages befand sich schon seit 1996 in unserer Bibliothek. Zusätzlich bastelte ich mir eine Ersatzteilliste aus den, reichlich im Netz vorhandenen, Explosionsdarstellungen und einigen Online-Shops zusammen.

 

So bewaffnet stand als erstes die Sichtung, Reinigung und Inventur aller Teile an.

Ich habe nicht alle Schrauben nachgezählt, aber im wesentlichen bestätigte sich der erste Eindruck: Vieles war vorhanden.

Erwartungsgemäß war jedoch das Meiste in verschlissenem Zustand. Für ein 34 Jahre altes Motorrad aber sicher keine Überraschung.

Nach der Reinigung der Teile im heimischen Hof, duldete meine Familie für ein paar Tage die Lagerung derselben in unserem durchaus nicht zu großzügig dimensionierten Hausflur.

 

Mit Begeisterung halfen beide Jungs bei der Zerlegung des restlichen Fahrgestells und Rahmens.

Alle Teile wurde wiederum gewaschen, sortiert, inventarisiert, beschriftet, eingetütet und in den Flur gelegt.

Erst der Kauf einiger Kunststoffboxen brachte wieder Ordnung ins Haus. Die Teile wurden verstaut und erste Überlegungen zur Wiederauferstehung angestellt.

 

Wo sollte die Totalrestaurierung beginnen? Welche Teile lassen sich retten? Was sollte in jedem Fall ausgetauscht werden?

Eine mehrwöchige, intensive Recherche brachte direkt am Anfang zutage, dass viele MZ-Teile von einer unüberschaubaren Anzahl Händler angeboten wird.

Dabei sind enorme Preisspannen und viele Nachbauteile üblich.

 

Zwangsläufig reifte der Entschluss den Aufbau mit dem Rückgrat der Emme zu beginnen: dem Rahmen.

Da der jedoch auf jeden Fall erst einmal wieder in einen akzeptablen Zustand versetzt werden musste und dafür die Hilfe eines Profis in Anspruch genommen werden sollte, war ebenso schnell klar, dass zuerst einmal ein Angebot zur Lackierung her musste. Am Besten direkt für alle Teile, die lackiert werden sollten.

 

Aus diesem Grund haben wir alle Teile nach Farben sortiert. Gemeinsam mit dem Rahmen mussten auch Zündspulenhalter, Zugstreben, Lampenhalter, Auspuffhalter und Blinkerhalter schwarz lackiert werden.

Tank, Lampe und beide Seitendeckel in Rot und Kotflügel plus vordere Zugstrebe in Silber.

Alles in allem ein Aufwand von rund 950€.

 

Mehr dazu im zweiten Teil...