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Wiederauferstehung III (Signale 73-94)

Wiederauferstehung III (Signale 73-94)

Gespeichert von Stephan am So., 08.07.2018 - 12:33
Die Buchsen der Hinterradschwinge wurden mit einer Selbstbauvorrichtung ausgedrückt und wieder eingebaut.

Eine Emme kämpft sich zurück ins Leben

In der vorletzten Ausgabe dieses Magazins kamen die Rahmenteile zurück vom Lackierer.

Unmittelbar danach ging die Restaurierung unserer MZ weiter.

Die Demontage der Reifen und der verrosteten Speichen war mühsam, gelang aber im Familien-Team letztlich problemlos. Mittlerweile stand fest, dass wir alle Verschleißteile auf jeden Fall austauschen wollen. Den Anfang machten wir im Mai 2017 mit den Federbuchsen der Hinterradschwinge.

Hier erwies sich das Internet und vor allem Youtube als eine wahre Fundgrube. Zwar sind verwertbare Restaurationsanleitungen für MZ dort bisher kaum zu finden, aber für die kleinen Schwestern der Emme, die Simson-Fahrzeuge gibt es eine große und hinreichend Youtube-affine Schraubercommunity. Natürlich unterscheiden sich beide Fahrzeugfamilien, aber Handgriffe, Tipps, Erfahrungen und Ersatzteilquellen sind auch problemlos für MZ nutzbar.

Zwei wirklich empfehlenswerte Kanäle sind „Simsonwerkstatt“ und „Zweiradgeber“.

Beide werden von dem selben jungen Mann (übrigens ein „Wessi“) betrieben und beschäftigen sich intensiv mit der Restaurierung und Techniktipps.

Von dort kam auch der Tipp, die Schwingenbuchsen mithilfe zweier Ratschennüsse und einer Gewindestange zu demontieren. Im Gegensatz zur Simme im Video wählten wir nur ein wenig stabileres Material.

Problemlos haben wir damit die Buchsen ausgedrückt und die neuen Buchsen wieder montiert.

Die Demontage der Reifen und der verrosteten Speichen war mühsam, gelang aber im Familien-Team letztlich problemlos. Anschließend nahmen wir uns die Räder vor. Hier galt es, zuerst die Reifen und Schläuche zu entfernen und anschließend die Naben und Radreifen von den sehr verrosteten Speichen zu befreien.

Während sich das Vorderrad geradezu einfach vom Reifen trennen ließ, machte das Hinterrad erhebliche Schwierigkeiten.

Geholfen haben uns wieder die, bereits erwähnten, Videos und die Ausdauer von Tanja und Jonas. Beide wollten einfach nicht kapitulieren und so gab schließlich auch der Hinterradreifen auf.

70 Speichen ließen sich problemlos lösen. Nur 2 widerstanden unseren Bemühungen so hartnäckig, dass wir schließlich zur Flex greifen mussten. Damit war aber auch das Problem erledigt.

Die Lenklager wurden ausgetauscht.  Anschließend begann die Rahmen-Montage mit Schwinge und Sattelträger.Während die Radteile und die Telegabel-Lenkerträger beim Glasperlenstrahlen waren, starteten wir nun endlich wieder mit dem Zusammenbau des Rahmens.

Dabei half uns ein Besuch der 2017er Sonderausstellung „MZ“ im Verkehrsmuseum Dresden. Eine der Museumswärterinnen bleib vorsichtshalber immer in meiner unmittelbaren nähe, während ich eine, dort ausgestellte, MZ TS 150 aus allen möglichen und vor allem unmöglichen Perspektiven fotografierte. Ziel war es möglichst viele und gute Bilder von Details der Emme zu erhalten, denn Aufbau und Montageanleitungen gibt es einfach nirgendwo. Stets wird davon ausgegangen, dass alles vorher selbst demontiert und anschließend einfach wieder in umgekehrter Reihenfolge montiert werden kann.

Das Ergebnis des Shootings waren ca. 50 Bilder und ein Gespräch mit der oben erwähnten, übrigens sehr netten, Museumsaufseherin, die volles Verständnis für mein Anliegen hatte.

Im nächsten Schritt erhielt der Rahmen seine Schwinge und den Sattelträger zurück. Die hinteren Federbeine wurden montiert und auch der Hauptständer mit den Fußrasten und einem neuen Fußbremshebel wurden angebaut.

Fortgesetzt haben wir mit der Telegabel und dem Lenker.Höhepunkt war die Regenerierung der Telegabel mit Neuteilen und die Montage der Telegabel am Fahrzeug.

Die bereits vorher gekauften Gummiteile an der Telegabel, den Fußrasten und dem Cockpit wurden ebenso angebaut, wie der neue Lenker.

Nunmehr war es nicht mehr praktikabel, die Emme bei jedem Einsatz aus dem Keller nach oben zu tragen und anschließend wieder zurück.

Deshalb zog sie kurzerhand ins Wohnzimmer. Hier ruft sie allenthalben Erstaunen und Bewunderung bei unseren Gästen hervor. Wir sehen sie einstweilen als eine Skulptur—und gegen Kunst kann doch keiner wirklich etwas haben...

 

 

 

 

 


 Alle Fotos: Stephan Uske