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Wieder Da! (Signale 76-97)

Wieder Da! (Signale 76-97)

Gespeichert von Stephan am Fr., 04.12.2020 - 20:19
Die MZ ETZ 250 vor ihrer Garage. Im Hintergrund auf der Hebebühne ihre kleine Schwester.

Nebenbei erwachte eine weitere MZ zu neuem Leben

 Ich mache natürlich erst ein Fahrzeug fertig, bevor ich mich um das Nächste kümmere.

Das war und ist meine Devise.

Zuerst haben wir die 1983er MZ TS 150 von Dirk Köhne angefangen zu restaurieren. Natürlich muss die also erst einmal fertig gemacht werden, ehe ich mich einem anderen Patienten zuwenden kann.

Allerdings steht die ETZ in der ohnehin engen Garage immer im Weg und muss herausgeschoben werden, wenn wir an der TS arbeiten wollen.

Normalerweise kein Problem, die ETZ hatte aber durchs lange Stehen solche Plattfüße, dass sie kaum zu Schieben war.

Im Hintergrund wartet die MZ TS 150 auf weitere Zuwendung. Aber die ETZ hat sich kurzfristig vorgedrängelt.

Aufpumpen half nichts. Ein Schweizer Käse konnte kaum mehr Löcher haben, als die MZ-Schläuche in den Rädern der großen MZ.

Nun folgt Eins aufs Andere: Neue Schläuche auf die alten Räder und Reifen sind Unsinn. Also neue Räder müssen her. Neue Räder erfordern neue Bremsbeläge und zugehörige Verschleißteile. Also das auch noch besorgen.

Wenn ich die Räder einmal ab habe, kann ich mich auch um den längst überfälligen Seitenständer kümmern.

Aber wenn ich jetzt schon so weit gekommen bin, fehlt doch eigentlich nur noch eine Inspektion und die ETZ kann wieder knattern…

Tatsächlich erforderte der weitere Aufbau der TS einige neue Recherchen und Überlegungen, sowie Teilebestellungen. Diese Zeit könnte ich doch nutzen und ein wenig von meinen Prinzipien abweichen.

Gedacht, getan und die TS ein wenig weiter in die Garagenecke geschoben.

Vorher—Nachher-Vergleich. Die neue Diodenplatte soll der ETZ das Herumbocken abgewöhnen. Probefahrten werden es zeigen.Vorher—Nachher-Vergleich. Die neue Diodenplatte soll der ETZ das Herumbocken abgewöhnen. Probefahrten werden es zeigen.

Jetzt wurde der verdreckte Uraltsprit aus dem Tank abgelassen. Zum Glück kein gleich schlimmes Abenteuer, wie einst bei der MZ TS 150. Trotzdem schlimm genug. Hatte sich doch der Benzinhahn aufgelöst und musste vollständig entfernt werden. Dadurch war ein dosiertes Ablassen nicht mehr möglich. Also die ganze Sutsche auf einmal heraus.

Leider war der Benzinhahn ohne das zugehörige Spritsieb aus dem Tank gekommen. Das Sieb steckt eigentlich nur auf dem Hahn, war aber mittlerweile eine innige Beziehung mit dem Rest des Tanks eingegangen.

Selbstverständlich ist das Sieb mit der bloßen Hand und geduldigem Arbeiten am Hahnanschluss nicht zu erreichen und erweichen gewesen.

Irgendwann hatte ich einen Teil des Siebes heraus. Noch etwas später den ganzen Rest.

Enttäuschung im Tank. Der alte Benzinhahn war so festgegammelt, dass er sich nicht mehr rückstandsfrei entfernen ließ. Hier ein Foto aus dem Inneren des Tanks mit einem kleinen Rest Benzinsieb außerhalb menschlichen Zugriffs.

Klar, das unter diesen Umständen der Tank vollständig ausgebaut und gereinigt werden musste. Ich will keinesfalls riskieren, ein Teilchen des Messingsiebes irgendwann im Zylinder wieder zu finden.

Um den Tank auszubauen, muss vorher die Sitzbank ausgebaut werden. Wenn man da einmal bei ist, lässt sich auch die Diodenplatte der Zündung bequem erreichen und wechseln. Die könnte nämlich die Ursache für das sehr bockige Fahrverhalten der ETZ gewesen sein.

Wie in solchen Situationen üblich, ergab sich also wieder einmal das Eine aus dem Anderen und aus der kurzen Inspektion wurde eine Minirestaurierung.

Mit vereinten Kräften haben wir noch das Hinterrad gewechselt und den Seitenständer eingebaut. Anschließend den Luftfilter und die Batterie erneuert. Das Getriebeöl abgelassen und neu eingefüllt, den Vergaser und die Zündkerze kontrolliert und nach drei Tagen halbzeit-Restaurierung kam der lang herbeigesehnte Augenblick: Neues Benzingemisch in den Tank, den Zündschlüssel herumgedreht und angekickt.

Einmal, zweimal… sechsmal, siebenmal und da erwachte sie vernehmlich tuckernd aus ihrem 11 Jahre andauernden Dornröschenschlaf.

Ein traumhaftes Gefühl!

Vielen Dank an meine Familie, die mitgeholfen, mitgefiebert und sich mitgefreut hat.

Jetzt kümmere ich mich noch um den TÜV, aber das geht nun ganz entspannt während der TS-Restaurierung. Die ETZ ist jetzt „rollfähig“!

 

/ Stephan Uske