Die Wiederauferstehung (Signale 39-60)

Wartburg-Produktion

Opel lanciert Gerüchte um eine geplante Produktion von preiswerten GM-Fahrzeugen unter der Marke WARTBURG.

Die Meldung geisterte im Mai durch alle Zeitungen und viele Fernsehprogramme: Opel plant die Wiederauferstehung der Marke Wartburg zur Vermarktung von General Motors-Fahrzeugen zu niedrigeren Preisen.

 

Damit schielte Opel natürlich auf Renault, die mit dem Dacia eine Erfolgsgeschichte vorweisen können, welche sich Opel derzeit nur erträumen können.

Die Wogen zu diesem Thema schlugen hoch und erwartungsgemäß schlugen sie gerade im Internet besonders große Wellen.

 

Von einem Retro-Auto mit deutlicher Anlehnung an Wartburg-Modelle aus der DDR-Produktion wurde genau so heiß diskutiert, wie die Reanimation eines Zweitakters und einiges anderes mehr in dieser Richtung.

Nach einigem Zögern gestand Opel tatsächlich öffentlich ein, Pläne zu entwickeln und auf ihre Realisierbarkeit zu prüfen, zu denen auch die Implementierung einer weiteren Billigmarke nach Dacia-Vorbild gehörte.

 

Was lag da näher, als über den Namen Wartburg nachzudenken, wo Opel doch gerade in Eisenach einen Produktionsstandort besitzt.

 

Und da sind wir bereits beim Kern der Meldungen angelangt.

Mitnichten wurde über ein Retro-Auto nachgedacht.

Opel hat weder das Potential noch hat der Markt ein Interesse an einem Reanimierten Wartburg 311 oder 353. Die Erfahrungen, welche Wolfsburg mit dem VW New Beetle und Chrysler mit dem PT Cruiser machen durften, ermutigen auch nicht gerade in diese Richtung.

Gedacht wurde bei General Motors Europa tatsächlich na die Übernahme des GM Corsa aus Südamerika nach Deutschland und die ausschließliche Vermarktung als Wartburg in Europa zur besseren Abgrenzung von Opel.

 

Preislich sollte der Wartburg schon bei 7000,-€ starten können und damit sicherlich eine ernstzunehmende Konkurrenz für den Dacia darstellen.

Letztlich bleibt es jedoch zweifelhaft, ob das von der Insolvenz der Konzernmutter GM stark in Mitleidenschaft gezogene europäische Tochterunternehmen überhaupt die Möglichkeiten zur Umsetzung solcher Pläne hat.

Stark abhängig sind solche Pläne natürlich auch vom verzweifelt gesuchten Investor.

 

Sollte dieser nämlich andere Pläne haben oder etwa gar nicht erst gefunden werden, wird sich eben nichts weiter als die eingangs erwähnte Welle von Pressemeldungen ergeben.

Groß ist das Wagnis und relativ gering derzeit eine Aussicht auf Umsetzung.

 

Eine eigenständige Marke muss erst im Markt platziert werden. Vor allem das Produkt muss erst einmal die Hürden einer behördlichen Zulassung schaffen, es muss möglich sein, die Industrialisierung durchzuführen und bezahlbar muss das ganze Vorhaben auch noch sein. Bis zum Verkaufsstart können darüber leicht viele Monate, evtl. sogar mehrere Jahre vergehen. Damit ist dem Unternehmen in seiner jetzigen Lage aber nicht geholfen.

 

Sollte sich letztlich aber dennoch eine Realisierung abzeichnen, wird der dann verkaufte Wartburg mit den vom AWE zwischen 1956 und 1991 produzierten Fahrzeugen ebensoviel gemein haben, wie der Apfel mit der Birne: Ähnlichkeiten ja, Verwandtschaft nein!

 

Es ist indes recht wahrscheinlich das Opel selbst diese Gerüchte in Umlauf brachte. Kamen sie doch günstig genau zu einem Zeitpunkt als sich Die deutsche Regierung mit Saatsgarantien für Opel beschäftigte und zu recht die Frage nach unternehmerischen Plänen und möglichen Handlungsoptionen stellte. Dahinein passen die Gerüchte um die Wiederbelebung einer vor fast zwanzig Jahren stillgelegten Marke.

 

Unabhängig von diesen Fakten, wäre es aber doch eine nicht ganz unerfreuliche Vorstellung wieder einmal einem neuen Wartburg auf der Straße begegnen zu können.

Zumal sich dann ganz schnell die Frage der Bekenntnis der neuen Markeneigentümer zur Markenhistorie stellt, die vielleicht auch Auswirkungen auf unser Hobby haben könnte.